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Beleg der Woche #13: Napoleonischer Stempel

by Oliver Klimek on 18. Juli 2010

Dieser Vorphilabrief ist nur auf den zweiten Blick als Beleg aus Deutschland zu erkennen, trägt er doch einen französischen Stempel mit Departement-Nummer und französischem Ortsnamen. Aber eigentlich handelt es sich um einen Brief von Zweibrücken nach Frankfurt.

In den französischen Revolutionskriegen eroberte Napoleon die linksrheinischen deutschen Gebiete und annektierte sie als Departements. Das Departement mit der Nummer 100 hieß Mont-Tonnerre (Donnersberg) mit der Hauptstadt Mainz. Der Ortsname Zweibrücken ließ sich trefflich zu Deux-Ponts übersetzen.

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Im ersten Teil der Serie ging es um korrekte Einzel- und Mehrfachfrankaturen, heute liegt mir die Vorphilatelie am Herzen.

Ich weiß gar nicht mehr, wieviele Händlerkisten auf Messen und Tauschtagen ich schon durchgesehen habe, in denen im der Vorphila-Abteilung Belege steckten, die dort nun wirklich nichts zu suchen haben. Man findet dann zum Beispiel Einlieferungsscheine aus der Krone/Adler-Zeit, Dienstbriefe des Norddeutschen Postbezirkes oder sogar Nachporto-Belege aus der Weimarer Republik.

Bei manchen Händlern (und natürlich auch Sammlern) gibt es offenbar den Automatismus “Keine Marke drauf, also Vorphila”. Das das nicht der Fall ist, sollte eigentlich sofort klar sein. Aber ganz so einfach ist die Sache dann auch wieder nicht, und vielleicht gibt es gerade deshalb immer wieder Fehleinschätzungen.

Wann hört die Vorphila-Zeit auf?

“Na mit Einführung der Briefmarken!” sollte man eigentlich denken. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Die Verwendung von Briefmarken war in der Regel zu Beginn freiwillig, erst später kam es dann zum Frankierzungszwang, der sich in einem erhöhten Nachporto für unfrankierte Briefe wiederspiegelt. Zu allem Überfluss wurde der Frankierungszwang für verschiedene Sendungsformen zu verschiedenen Zeiten eingeführt. Vor allem Auslandsbriefe und Fahrpostsendungen konnten noch längere Zeit bar frankiert werden. Und Dienstbriefe wurden in Deutschland noch mehrere Jahrzente lang nicht frankiert.

So gab es in jedem Gebiet anfangs ein Nebeninander frankierter und unfrankierter Belege. Nun stellt sich natürlich die Frage, wo man den Trennungsstrich ziehen soll. Ein unfrankierter Dienstbrief aus Preußen sah 1845 genau gleich aus wie 1860. Soll man den einen dann in die Vorphila-Kiste tun, und den anderen zu den Briefen aus der Markenzeit?

Die Antwort auf diese Frage muss letztlich jeder für sich selbst finden. Meine persönliche Einschätzung ist, dass man das generelle Ende der Vorphilazeit mit dem Beginn des Frankaturzwanges für gewöhnliche Briefe einläuten sollte. Allerdings sind diese Daten eigentlich nur spezlialisierten Postgeschichtlern geläufig, so dass es für Händler nicht unbedingt viel Sinn hat, sich sklavisch daran zu halten.

Ich würde daher empfehlen, den Begriff  “Vorphila” im Zweifelsfall eher strikt auszulegen und alle Belege ab Beginn der Markenzeit entsprechend dort einzusortieren. Dies dürfte der Verkaufsquote sicher nicht abträglich sein, da die meisten Sammler eher Belege aus der Markenzeit suchen als aus der Zeit der Vorphilatelie. Diese werden sicher nicht jede Vorphila-Kiste durchsehen, während Vorphilasammler wohl eher auch bei den späteren Belegen schauen werden.

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