by Oliver Klimek on 27. Juni 2010
Hier wieder einmal ein Beleg aus der Kategorie Kleine Nettigkeiten. Der Brief von Bern nach St. Fiden aus dem Jahr 1934 ist mit 45 Rappen zwar überfrankiert, die nicht vom Maschinenstempel erfasste Marke wurde aber vorschriftsmäßig nachentwertet.
Für die nachträgliche Entwertung wurde ein stummer Zweiring-Stempel verwendet, der normalerweise für die Entwertung von Grobsendungen – also Päckchen etc. – benutzt wurde.
Es gibt auch Belege aus dem Ausland, die auf diese Weise nachentwertet wurden.
by Oliver Klimek on 16. Juni 2010

Dieser Brief von Zürich nach Wien aus dem Jahr 1916 ist in zweierlei Hinsicht interesant. Zum einen ist er mit seltenen Einheiten der Michel-Nr 125 (Zumstein 133) frankiert, was ihn allein schon materiell recht wertvoll macht.
Nicht minder interessant ist aber auch die Tatsache, dass der Brief von der Zensur beanstandet und wegen verbotenen Einschlusses an den Absender zurück ging. Absender war ein gewisser Herr Ernst Zumstein, und da braucht man sicher nicht lange rätseln, was sich wohl in dem Brief befunden haben mag.
Ich habe die Schweizer Amtsblätter nicht zur Hand, aber allem Anschein nach war Versand von (vielleicht frankaturgültigen) Briefmarken aus einem neutralen Land wie der Schweiz an einen Kriegsteilnehmer unerwünscht.
by Oliver Klimek on 22. April 2010
Auch wenn die Schweiz kein besonders großes Land ist, so hat sie philatelistisch doch einiges zu bieten. Neben bekannten Sammelgebieten wie der Stehenden Helvetia oder Pro Juventute sind auch die Schweizer Abstempelungen bei vielen Sammlern sehr beliebt. Zum einen gibt es eine beachtliche Vielfalt von Stempeltypen, die oft auch optisch sehr attraktiv sind, zum anderen ist die Anzahl der Orte im Vergleich zu Deutschland doch recht überschaubar, so dass es hier deutlich leichter, dem Ziel der Komplettheit zumindest nach Stempeltype nahezukommen.
Einer der attraktivsten Vertreter der Schweizer Stempel ist der sogenannte Rasierklingenstempel, der seinen Namen nach der charakteristischen Form der Datumsbrücke hat.
Um die vorletzte Jahrhundertwende wurden von Frédéric de Coppet ein Stempel entwickelt, der optisch die Herausgehobenheit der Schweizer Städte mit Oberpostdirektionen unterstreichen sollte. Folglich gibt es Rasierklingenstempel – abgesehen von Prototypen und Sonderstempeln nur von den 11 Hauptorten der Schweizer Postkreise.
Interessant macht das Sammeln der Rasierklingenstempel zum einen die Tatsache, dass es für jeden Ort verschiedene Typen gibt, die teilweise recht selten sind. Ein besonderer Reiz geht aber vor allem vom Sammeln von Belegen aus, da sich hier die Stempel in ihrer vollen Schönheit präsentieren können. Darüberhinaus ist es durchaus auch wichtig zu unterscheiden, ob ein Stempel als Aufgabe- oder Ankunftstempel verwendet wurde. Gerade als Ankunftstempel sind manche Stempel sehr selten, während sie bei der Entwertung von Marken fast schon als Massenware zu bezeichnen sind.
Eine Auflistung der Stempel mit Verwendungsdaten, Seltenheitsangeben und Abbildungen befindet sich auf den Internetseiten von Erwin Steinbrüchel.
Der amerikanische Sammler Roger Heath hat seine hervorragende Ausstellungssammlung im Internet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Rasierklingenstempel Lausanne als Ankunftstempel auf einer Karte aus USA. In dieser Form sehr selten, als Aufgabestempel nichts Besonderes
by Oliver Klimek on 3. April 2010

So gut wie jeder Schweiz-Sammler weiß, dass es die 10 Rp Tell (Michel 118 oder Zumstein 126) in zwei Typen gibt, die sich durch die Lage des Querbalkens im E von HELVETIA unterschieden.
Auf diesem Auslandsbrief von Riggisberg nach Heidelberg kleben beide Typen nebeneinander. Hinzu kommt noch ein 5 Rp Tellknabe, um das Auslandsporto von 25 Rp zu vervollständigen.
Diese Frankatur ist keineswegs häufig, denn wo kam es schon vor, dass Bögen beider Typen auf dem Postamt vorhanden waren?
Übrigens illustriert der Brief auch eine Besonderheit der schweizer Orthographie. Zwar wurde auch in der Schweiz die vereinheitlichte deutsche Rechtschreibung von 1901 angewandt, bei vielen Ortsnamen kursierten aber verschiedene Schreibweisen, die sich teilweise am schweizer Dialekt orientierten.
Hier nennt der Gemeindeschreiber seinen Ort Rüeggisberg, während auf dem Poststempel Riggisberg steht, was auch die heute übliche Schreibweise ist.
Eine weiteres Beispiel ist der Ort Rapperswil, von dem es ältere Stempel mit der Inschrift Rapperschwyl gibt. Zum einen wird der Name im örtlichen Dialekt wirklich mit sch ausgesprochen, zum anderen herrschte lange eine gewisse Verwirrung, ob man die vielen …wils in der Schweiz nun mit y od i schreiben soll. mittlerweile hat sich das i aber durchgesetzt.
by Oliver Klimek on 8. März 2010
Wer Briefmarken und Belege aus der Schweiz sammelt, kommt mit dem Schweiz-Teil des Michel-Europa-Kataloges nicht lange aus. Das vielfältige Sammelgebiet Schweiz macht dort nämlich einen recht kümmerlichen Eindruck.
Der logische Schritt wäre die Anschaffung eines Spezialkatalogs von Michel oder Zumstein. Dies geht natürlich mit einem erheblichen Mehrpreis einher, für die Jagd nach Plattenfehlern oder Farbvarianten ist er natürlich unverzichtbar.
Wer etwas bescheidenere Ansprüche stellt, ist mit dem SBK-Katalog allerdings bestens bedient. Der Katalog wird jährlich vom schweizer Händlerverband herausgegeben und bietet über 800 Seiten bei einem sehr günstigen Preis von 24 Euro.
Er ist hält sich an die schweizer Zumstein-Katalogisierung, was für deutsche Sammler erst einmal gewöhnungsbedürftig ist, da dort spezielle Serien wie Pro Patria, Pro Juventute oder die Flugpostmarken getrennt gelistet sind. Der große Vorteil, der ihn von allen Konkurrenten abhebt, ist allerdings die parallele Auflistung der Michel-Nummern. Doch der SBK hält sich nicht stur an die Zumstein-Nummern. Z.B. listet er die Freimarkenserien nicht chronologisch, sondern nach Ausgaben geordnet.
Dies zeigt eine weitere Stärke des Kataloges: die konsequente Ausrichtung auf möglichst möglichst gute Übersichtlichkeit. Neben den durchgängig in Farbe gehaltenen Markenabbildungen sind auch die jeweiligen Ersttags-Sonderstempel abgebildet. Auch erstaunlich viele Plattenfehler werden im Bild gezeigt, dazu kommen im Bereich Altschweiz noch schöne Beispiele verschiedener Abstempelungen.
Auch exotischere Nebengebiete wie Hotelpost oder die Flugpost-Vorläufer sind mit von der Partie. Und netterweise enthält der SBK darüber hinaus auch noch die Marken von Liechtenstein inclusive der Bewertung für die schweizer Mitläufer.
Neben den obligatorischen Bewertungen für postfrisch, Falz und gestempelt werden auch Preise für gestempelte Viererblocks, FDC und Briefbewertungen (diese natürlich grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen) gelistet. Durch die Bindung an den Händlerverband sind die Katalogbewertungen auch im deutschen Handel anerkannt. Stichproben zufolge scheint sich auch der Michel-Katalog an den Bewertungen des SBK zu orientieren.
Wer die Spezialisierung nicht auf die Spitze treiben will, bekommt mit dem SBK ein preisgünstiges Rundum-Sorglos-Paket an die Hand, mit dem man durchaus auch mehrere Jahre auskommt, wenn man nicht unbedingt immer die allerneuesten Katalogwerte benötigt.
by Oliver Klimek on 6. März 2010
Im Gegensatz zum Deutschen Reich sind Privat-Ganzsachen in der Schweiz keine Besonderheit – obwohl es natürlich auch dort seltene Stücke gibt – und werden von deutschen Händlern oft überbewertet. Mit einer Pro-Juventute-Marke als Zusatzfrankatur, um das Drucksachenporto von 5 Rp auf den Tarif für einen Fernbrief von 15 Rp aufzufrankieren, wird daraus allerdings schon eine Besonderheit. Gelaufen von Frauenfeld nach Zürich.