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Wieder einmal müssen sich private Verkäufer bei eBay den Angstschweiß von der Stirn wischen. Laut Medienberichten machen zur Zeit wieder Abmahn-Haie auf eBay die Runde, die sich gezielt Verkäufer herauspicken, die zwar als privat angemeldet sind, aber eine nennenswerte Anzahl von Artikeln verkaufen.

Wie schon öfter geht es im Prinzip darum, ob der Anbieter wirklich privat oder doch schon gewerblich mit Briefmarkenoder anderen Dingen handelt. Hier dreht es sich aber nicht um den steuerlichen Aspekt (das hatten wir ja auch schon zur genüge), sondern darum, dass ab einer gewissen Anzahl von Verkäufen – 30 pro Monat können nach Meinung einiger Gerichte schon ausreichen (!) – generell von einem gewerblichen Handel die Rede sein kann, was die Verpflichtung nach sich zieht, den Käufern ein ordnungsgemäßes Widerrufsrecht einzuräumen.

Wie allgemein bekannt ist, drücken sich viele Verkäufer mit der (nicht ganz korrektem) Floskel “Kein Widerrufsrecht von Privat wegen neuem EU-Recht” um die Gewährleistung herum oder erwähnen dieses Thema überhaupt nicht.

Natürlich sind derartige Abzockereien verurteilenswert, da es sich letztlich nur um Geldschneiderei handelt und der Wettbewerbsgedanke nur als Vorwand dient. Aber dennoch solllte sich jeder Privatverkäufer überlegen, ob er nicht trotzdem seinen Angeboten eine Widerrufsbelehrung hinzufügt.

Doch das Widerrufsrecht sollte nicht nur eingeräumt werden, um Abmahnungen vorzubeuegen. Es ist doch in dieser Beziehung eigentlich völlig unerheblich, ob man privat oder gewerblich verkauft. Wenn man seine Ware nach bestem Wissen und Gewissen beschreibt und anbietet, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, auch einen Widerruf zu akzeptieren, falls der Käufer nicht zufrieden ist. Schließlich hat er ja nicht die Möglichkeit, das Sück in Natura zu begutachten, und ein Mangel ist bei der Artikelbeschreibung schnell einmal übersehen, ohne dass man dem Verkäufer gleich Böswilligkeit unterstellen möchte.

Wenn man auch als Privatverkäufer ein Widerrufsrecht einräumt, schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen wappnet man sich gegen Abzockversuche, und zum anderen hat man einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen Anbietern, die eine Rücknahme ausschließen. Wenn einem allerdings nur daran gelegen ist, seine Knochen an irgendeinen Dummen zu bringen, wird sich man damit natürlich schwer tun. Aber so etwas macht doch eh niemand…

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Warum ich trotzdem bei eBay bleibe

by Oliver Klimek on 11. März 2010

Unzufriedenheit allenthalben

Fast genauso oft totgesagt wie das Briefmarkensammeln selbst wurde auch schon der Handel mit Briefmarken bei eBay. Sowohl Händler als auch Verkäufer klagen seit Jahren permanent darüber, dass es praktisch keinen Sinn mehr hat, seine Geschäfte über eBay abzuwickeln.

Verkäufer klagen über hohe Gebühren und schlechte Auffindbarkeit ihrer Angebote, Käufer jammern über zugemüllte Kategorien und schlechte Erfahrungen mit (Ver)fälschungen und Versandkosten-Abzocke.

Mittlerweile bin ich seit fast 11 Jahren gewerblich bei eBay aktiv. Was habe ich in dieser Zeit nicht alles schon erlebt. Mit der Einführung der Angebotsgebühren ging es los. Ein Aufschrei des Entsetzens ging durch die Reihen, Boykottaufrufe machten die Runde. Was ist passiert? Ein paar Händler haben ihren eigenen Online-Shop aufgemacht, der Rest blieb, und immer mehr kamen hinzu.

Im Lauf der Jahre gab es dann immer wieder Veränderungen bei eBay: Drehen an der Gebührenschraube, Änderung des Bewertungssystems, schärfere Kriterien für Gewerbliche, Umstellung der Gebührenstruktur, um nur einige Beispiele zu nennen. Jede Veränderung hatte ähnliche Reaktionen zur Folge. Und was ist passiert? Unterm Strich so gut wie nichts.

Und was macht die Konkurrenz?

Immer wieder wurden Konkurrenzunternehmen aus dem Boden gestampft, um vom Unmut über den Marktführer zu profitieren. BesteAuktion, Hood, Tamundo etc. pp. Ihr stärkstes Argument war die Kostenfreiheit für Verkäufer. Nur musste man schließlich erkennen, dass gerade das auch ein großer Schwachpunkt war. Durch das kostenfreie Einstellen angelockt fanden sich nun auch hier unzählige Schrottangebote und dubiose Anbieter, die von ebay hinauskomplimentiert worden waren. Also kehrten viele wieder diesen Eintagsfliegen den Rücken zu und kamen reumütig zu eBay zurück.

Einzig Delcampe ist es bisher gelungen, sich als ernstzunehmende Alternative zu eBay für Sammler zu etablieren. Aber auch hier hört man zuweilen ähnliche Klagen wie bei den anderen kostenlosen Plattformen. Ricardo in der Schweiz ist ein gewisser Sonderfall, da sich das Unternehmen bis heute erfolgreich gegen eine Übernahme durch eBay wehren konnte.

eBay ist Marktführer aus gutem Grund

Auch wenn ich immer mal wieder mit den Konkurrenten und einem eigenen Online-Shop geliebäugelt habe, bin ich trotzem bei eBay geblieben. Nicht dass ich das Unternehmen hier über den grünen Klee loben möchte -  die genannten Kritikpunkte sind nicht einfach nur an den Haaren herbeigezogen. Aber da die Konkurrenz auch nur mit Wasser kocht, und zwar mit sehr dünnem, ist eBay für mich noch immer alternativlos.

1. You get what you pay for

eBay ist nicht billg, aber das System ist bei weitem das ausgereifteste. Zahlreiche Programme setzen auf die eBay-API auf und erlauben es dem Händler, seine Angebote komfortabel zu verwalten. Wenn man nicht nur Gelegenheitsverkäufer ist, ist das ein unschätzbarer Vorteil. Die Arbeit, die man dadurch spart, ist meiner bescheidenen Meinung nach schon einiges an Gebühren wert.

2. Weltweite Ausrichtung

Als einziges Unternehmen erlaubt es mir eBay, meine Ware weltweit anzubieten. Auch für Briefmarken ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Die Regionalisierung der eBay-Ableger erlaubt es auch, länderspezifische Angebote zu erstellen. Ich verkaufe ca. 25% ins Ausland, und beileibe nicht nur in die Schweiz und nach Österreich.

3. Kein Werbeaufwand für den eigenen Shop

Auch wenn man seinen eigenen Web-Shop im Prinzip kostenlos führen kann, der Aufwand für das Werben um Kundschaft ist nicht zu unterschätzen. Dies fällt bei eBay völlig weg, und die eigenen Angebote können sogar über Google gefunden werden.

eBay ist das kleinere Übel

Wie gesagt, eBay ist wahrlich nicht die eierlegende Wollmilchsau, aber im Vergleich zu anderen Handelsmöglichkeiten im Internet sehe ich keine Alternative, die mir ein ähnlich flexibles Geschäft ermöglicht.

Dies ist natürlich nur meine ganz persönliche Einschätzung. Jeder hat nun einmal andere Prioritäten und Vorlieben und wird die Fakten bei reiflicher Überlegung vielleicht auch anders abwägen.

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