by Oliver Klimek on 23. Mai 2010

Heute möchte ich einen Infla-Beleg vorstellen, dessen Besonderheit man erst auf den zweiten oder gar dritten Blick erkennen kann. Die Paketkarte von Weißenburg nach Konstantinopel aus dem Jahr 1922 hat natürlich eine beachtliche Frankatur. Auf der Rückseite kleben immerhin 9 Exemplare der Michelnummer 138.
Aber darum geht es hier gar nicht. Die Besonderheit erschließt sich erst, wenn man sich diese Marken näher ansieht. Sie haben nämlich alle ein Loch. In der Inflationszeit war es Vorschrift, die hohen Wertstufen für eventuelle Markendiebe unattraktiv zu machen. Dies geschah entweder durch Schwärzung oder durch Lochung der Marken und wurde offiziell als Sicherungsentwertung bezichnet.
Allerdings wurde aller Regel immer die bereits frankierte Karte gelocht. Hier hat der Postbeamte offenbar ein ruhige Phase am Schalter ausgenutzt, um die Marken bereits vor dem Verkleben gelocht, um sich die Arbeit zu erleichtern. Ein derartiger Beleg ist mir bisher nur dieses einzige Mal unter die Augen gekommen.
by Oliver Klimek on 21. Mai 2010
In dieser Umfrage ging es nicht um die klassische Aufteilung der Sammelgebiete nach Ländern, sondern um die Art des gesammelten Materials allgemein.
Insgesamt haben 34 Sammler ihre Stimmen abgegeben, Mehrfachnennungen waren natürlich möglich. Das Ergebnis:
- Postgeschichte Semiklassik bis 1945 – 20
- Postgeschichte Klassik – 19
- Briefmarken Klassik – 18
- Vorphilatelie – 13
- Postgeschichte nach 1945 – 12
- Briefmarken Semiklassik bis 1945 – 11
- Briefmarken nach 1945 – 7
- Gedenkbelege, FDC usw. bis 1945 – 3
- Gedenkbelege, FDC, ETB usw. nach 1945 -1
Auch diese Umfrage ist natürlich weit davon entfernt, repräsentativ zu sein. Aber es zeigt sich doch ein recht klarer Trend. Zum einen sind Klassik und Semiklassik deutlich populärer als modernere Gebiete, zum anderen läuft die Postgeschichte dem klassischen “Briefmarkensammeln” immer mehr den Rang ab.
Auch die großen Briefmarkenbörsen sind mittlerweile ja viel stärker auf Belege ausgerichtet als auf lose Marken. Und außer bei einem wohlbekannten großen Händler aus dem Schwäbischen haben Messesstände, auf denen “nur” Alben mit losen Marken ausliegen, sichtbar weniger Zulauf als solche, die mit Belegekisten locken. Bei manchen auf Belege spezialisierten Händlern ist sogar oftmals über längere Zeit der komplette Stand belegt.
Umgekehrt klagen denn auch viele Markensammler über wachsende Schwierigkeiten, neues Material zu finden. Da sich alles auf die Postgeschichte stürzt, haben sie dann oft das Gefühl, links liegen gelassen zu werden.
Die Hinwendung zu älterem Material ist sicher auch der Entwicklung der Ausgabepolitk der Postverwaltungen in den letzten Jahren – oder fast schon Jahrzehnten – geschuldet. Mit vielen vielen Markenausgaben, Selbsklebeheftchen, Rollen und anderen Spezialitäten wird versucht, an das sauer verdiente Geld der Sammler heranzukommen. Andererseits werden immer weniger Briefmarken ihrer Bestimmung zum Frankieren von Postsendungen zugeführt, nicht zuletzt auch wegen der allfälligen Label-Freimachung am Postschalter.
Daraus kann mein eigentlich nur den Schluss ziehen, dass eine postgeschtlich orientierte Sammlung moderner mit Briefmarken frankierter Belege eine durchaus beachtenswerte Gelegenheit ist, einen werthaltigen Bestand zusammenzutragen. Wenn es einem dann auch gelingt, interessante Frankaturen zu finden. Ein Überseeebrief mit einer 85-Cent-Mehrfachfrankatur dürfte da beispielsweise fast schon eine kleine Seltenheit darstellen.
by Oliver Klimek on 19. Mai 2010
Während meines Urlaubes flatterte die neue PHILATELIE ins Haus. Und schon auf einer der ersten Seiten lachte mir eine hochinteressante Kurzmeldung entgegen. Für die Briefmarkenbörse Sindelfingen – dieses Jahr vom 29. bis 31. Oktober – wird entgegen anderslautenden Ankündigungen weiterhin kein Eintrittsgeld verlangt!
Nachtigall ick hör dir trapsen, kann ich da nur sagen. In meinem Bericht zur Briefmarkenbörse München im März habe ich ja einen deutlichen Besucherschwund im Verleich zu den Vorjahren konstatieren können.
Die Messeagentur Jan Billion, die die Organisation der Messen übernommen hatte, hat sich wohl mit dem neuen Konzept verkalkuliert. Standgebühren sollten auf die Eintrittspreise umgelegt werden, damit die Messe für Händler attraktiv bleibt. Doch offenbar waren die Händler so unzufrieden mit dem Besucherzuspruch, dass sie zu alten Regelung zurückkehren wollten. Und vermutlich haben sich auch Gewinnhoffnungen auf Seiten der Agentur zerschlagen.
Die bisherige Regelung mit freiem Eintritt hat für den Veranstalter nämlich einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Der finanzielle Erfolg der Messe steht im wesentlichen schon fest, bevor die Halle am ersten Tag geöffnet wird. Die Händler sind ohnehin darauf angewiesen, dass genug zahlungskräftige Kundschaft kommt, egal ob mit oder ohne Eintrittspreis.
Da kann man natürlich nur hoffen, dass der Zuspruch seitens der Messebesucher auch die Erwartungen der Händler erfüllt. An mir soll es jedenfalls nicht scheitern…
by Oliver Klimek on 16. Mai 2010
Postkarte von Altenburg nach Plauen von 1901, frankiert mit einem Ganzsachen-Ausschnitt der Germania Reichspost.
Von vielen Sammlern gesucht sind Belege, die mit Ausschnitten aus Ganzsachen frankiert wurden. Dies war in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen auch von der Post erlaubt. Aus der Zeit der altdeutschen Staaten sind derartige Belege sehr selten und werden enstprechen teuer gehandelt. GAA-Frankaturen werden dort sogar im Michel-Katalog bewertet.
Generell kann man sagen, dass die Seltenheit dieser Frankaturen mit fortschreitender Zeit abnimmt. In der Nachkriegszeit werden sie eher als Kuriosum mit allenfalls minimalem Preisaufschlag betrachtet, aus der Infla-Zeit sind sie schon seltener, und davor muss man schon eine Weile suchen, um einen GAA-Beleg zu entdecken.
Doch preislich bewegen sich diese Belege – sicher auch wegen der Nicht-Katalogisierung – auch aus der früheren Zeit des Deutschen Reiches im durchaus erschwinglichen Rahmen, mit etwas Glück findet man sie sogar in einer Wühlkiste.
by Oliver Klimek on 2. Mai 2010
Bis 14. Mai bin ich in Urlaub, ausgiebige Auktionsbesichtigung und viel Arbeit haben es mir diese Woche leider nicht ermöglicht, mehr zu bloggen. Danach wird es aber in alter Frische weiter gehen.
by Oliver Klimek on 26. April 2010
Top?
Und wieder einmal liegt mir ein kleines Ärgernis auf dem Herzen, das leider tägliches Brot bei Auktionsbesichtigungen ist. Exemplarisch greife ich jetzt einmal das Deutsche Reich heraus, prinzipiell ist es bei anderen Sammelgebieten nicht viel anders.
Mit konstanter Bosheit verfolgen mich Sammlungen, in denen die Germania-Markwerte falsch einsortiert sind. Und ich meine jetzt ausdrücklich nicht die Unterscheidung zwichsen Kriegs- und Friedensdrucken. Denn diese ist – vor allem bei ungebrauchten Marken – nicht so einfach.
oder Flop?
Nein, es geht hier schlicht und einfach um die Ausgaben, die sich auch mit unbewaffnetem Auge eindeutig am Markenbild unterscheiden lassen. Das Paradebeispiel hiefür ist natürlich die 5 Mark Reichspost (Michel 66). Wie oft ich in Vordruckalben an dieser prominenten Stelle schon die Inschrift Deutsches Reich gelesen habe, vermag ich nicht mehr zu zählen.
Beliebt ist natürlich auch der 2-Mark-Wert mit gotischer Inschrift (Michel 79). Allzuoft finden sich hier die Werte mit lateinischer Inschrift wieder, hin und wieder auch einmal die Reichspost-Ausgabe, die ja bekanntlich wieder eine andere Schriftart besitzt.
Was mag der Grund für diese ständigen Verwechslungen sein? Der alte Spruch von Gier frißt Hirn? Die Eitelkeit vieler älterer Herren, möglichst ohne Lesebrille auszukommen? Vollständiges Fehlen philatelistischen Sachverstandes? Mit Sicherheit kann man es natürlich nicht sagen, bedauerlich ist es aber allemal.
by Oliver Klimek on 25. April 2010
Aufgrund ihres attraktiven Aussehens sind die Württemberger Steigbügelstempel bei Sammlern sehr beliebt. Eigentlich handelt es sich bei dieser Stempelform um eine “Erfindung” der Post von Thurn und Taxis, die den Postbetrieb in Württemberg bis zur Einführung der Briefmarken 1851 in Eigenregie übernommen hatte.
Für die hier abgebildete Postkarte von Schömberg nach Stuttgart aus dem Jahr 1884 wurde der eigentlich schon mit Beginn der Pfennigzeit 1875 durch einen Ablöser erstzte Steigbügelstempel noch einmal aus der Versenkung geholt.
Da alle Steigbügelstempel aus Württemberg spätestens mit Ende der Kreuzerzeit durch andere Stempel ersetzt wurden, sind Entwertungen aus der Pfennigzeit nicht sehr häufig.
by Oliver Klimek on 22. April 2010
Auch wenn die Schweiz kein besonders großes Land ist, so hat sie philatelistisch doch einiges zu bieten. Neben bekannten Sammelgebieten wie der Stehenden Helvetia oder Pro Juventute sind auch die Schweizer Abstempelungen bei vielen Sammlern sehr beliebt. Zum einen gibt es eine beachtliche Vielfalt von Stempeltypen, die oft auch optisch sehr attraktiv sind, zum anderen ist die Anzahl der Orte im Vergleich zu Deutschland doch recht überschaubar, so dass es hier deutlich leichter, dem Ziel der Komplettheit zumindest nach Stempeltype nahezukommen.
Einer der attraktivsten Vertreter der Schweizer Stempel ist der sogenannte Rasierklingenstempel, der seinen Namen nach der charakteristischen Form der Datumsbrücke hat.
Um die vorletzte Jahrhundertwende wurden von Frédéric de Coppet ein Stempel entwickelt, der optisch die Herausgehobenheit der Schweizer Städte mit Oberpostdirektionen unterstreichen sollte. Folglich gibt es Rasierklingenstempel – abgesehen von Prototypen und Sonderstempeln nur von den 11 Hauptorten der Schweizer Postkreise.
Interessant macht das Sammeln der Rasierklingenstempel zum einen die Tatsache, dass es für jeden Ort verschiedene Typen gibt, die teilweise recht selten sind. Ein besonderer Reiz geht aber vor allem vom Sammeln von Belegen aus, da sich hier die Stempel in ihrer vollen Schönheit präsentieren können. Darüberhinaus ist es durchaus auch wichtig zu unterscheiden, ob ein Stempel als Aufgabe- oder Ankunftstempel verwendet wurde. Gerade als Ankunftstempel sind manche Stempel sehr selten, während sie bei der Entwertung von Marken fast schon als Massenware zu bezeichnen sind.
Eine Auflistung der Stempel mit Verwendungsdaten, Seltenheitsangeben und Abbildungen befindet sich auf den Internetseiten von Erwin Steinbrüchel.
Der amerikanische Sammler Roger Heath hat seine hervorragende Ausstellungssammlung im Internet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Rasierklingenstempel Lausanne als Ankunftstempel auf einer Karte aus USA. In dieser Form sehr selten, als Aufgabestempel nichts Besonderes
by Oliver Klimek on 18. April 2010
Dieser Antwortteil einer Germania-Doppelkarte wurde 1915 von New York nach Karlsruhe verschickt. Neben dem Wertstempel klebt eine amerikanische Zwei-Cent-Marke. Offenbar war sich der Absender nicht bewußt, dass diese Karte nach den Regeln des Weltpostvereins bereits für die Rücksendung vorausfrankiert war und einfach in den Briefkasten geworfen werden konnte. Das Wort “Antwort” steht eben nur auf Deutsch und der UPU-Sprache Französisch auf der Karte.
Auch hierbei handelt es sich nicht um eine große Seltenheit. Aber von postgschichtlichem Interesse sind solche Belege allemal.
by Oliver Klimek on 16. April 2010
Jedes Jahr, wenn die Tulpen blühen, erscheint der neue Deutschland-Spezial-Katalog von Michel. Jedesmal ein paar Seiten dicker und einige Euros teurer. Außer mit einer veränderten Einbbandgestaltung wurde uns heuer mit einer kompletten Neubearbeitung der Gebiete Deutsches Reich ab 1924 sowie Böhmen und Mähren der Kauf von Band 1 schmackhaft gemacht. Satte 74 Euro kostet das Werk mittlerweile, wohlgemerkt nur der Teil vor 1945.
Über die Preisgestaltung will ich mich aber gar nicht groß auslassen, so viel wurde dazu schon gesagt und geschrieben. Nur dies sei dem Schwaneberger-Verlag gesagt: Wäre der Katalog billiger, würde ihn jeder jährlich kaufen. Zu diesem Preis kommt für viele ein Neukauf nur im Abstand von mehreren Jahren in Frage. “Umsatzoptimierung für den fortgeschrittenen Anfänger” heißt die Lektion.
Der eigentliche Grund aber, warum ich über die Neuauflage schreibe, ist etwas, was mir bei Durchsicht des eigentlich sehr gelungen überarbeiteten Teils des Deutschen Reichs aufgefallen ist:
Die Falz-Bewertungen für Einzelmarken werden immer immer stärker ausgedünnt. Jedes Jahr werden weitere Ausgaben auf Pauschalbewertungen für den kompletten Satz umgestellt, wobei sich mir die Logik, nach der dies geschieht, noch nicht ganz erschlossen hat.
Die Seltenheit kann offenbar kein Kriterium sein. Die Michel-Nr. 608 (Otto von Guericke) ist beispielsweise (“noch”, ist man geneigt zu sagen) mit Werten von €0,40 für Falz, €1,60 für postfrisch und €0,60 für gestempelt aufgeführt. Für den Chicagofahrt-Satz (Mi 496/498) gibt es dagegen für Falz nur die Satzbewertung von €1200,-
Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Für die ungebraucht teuerste Hauptnummer des Dritten Reiches Mi 496 mit einem Katalogwert von €3400 für postfrisch, die man in einwandfreier **-Erhaltung kaum je zu Gesicht bekommt, muss man sich die Bewertung für die Standard-Qualität selbst aus dem Satzpreis ausrechnen.
In diesem Fall mag das Verhältnis zwischen den einzelnen Werten ja konstant sein, wie man durch Vergleich mit einem älteren Katalog sehen kann. Aber es ist wahrlich nicht bei allen Sätzen so, dass das Verhältnis zwischen Falz- und Postfrischpreis bei jeder Marke gleich ist.
Nehmen wir als Beispiel den Nothilfesatz 1929 (Mi 430/434). Einst war er ungebraucht mit €70- gelistet, jetzt erfreulicherweise mit €75,-, postfrisch blieb der Satzpreis konstant bei €240,-.
Welchen Falzpreis soll man nun für die beiden guten Werte 433 und 434 ansetzen? 75/240 macht 31,25% für das Verhältnis Falz zu postfrisch. Für die Nummer 433 (postfrisch €65,-) ergäbe sich so ein Wert von gerundet €22,-, für die 434 (postfrisch €160,-) käme man auf €50,- glatt. So weit, so gut.
Ein Vergleich mit dem alten Katalog zeigt aber, dass die Falzpreise der beiden Marken früher bei €15,- bzw. €55,- lagen. Das Falz/postfrisch-Verhältnis war bei den beiden Marken eben nicht gleich. Hat sich die relative Seltenheit beider Werte jetzt verändert? Das kann ich eigentlich kaum glauben. Mit der Pauschalbewertung wäre die 433 jetzt um satte 45% im Katalogwert gestiegen, die 434 aber um 10% gefallen.
Bei allen unbestreitbar positiven Veränderungen, die die Neubearbeutung gebracht hat und die zum Teil lange herbeigesehnt worden waren, bei den Falzpreisen ist Michel hier leider über das Ziel hinausgeschossen.
Es mag ja löblich sein, die Sammler zu Qualitätsbewußtsein erziehen zu wollen und deshalb die postfrische Erhaltung zu betonen. Aber die Realität sieht leider anders aus. Gerade jetzt, wo viele alte Sammlungen auf den Markt kommen, die eben nicht diesen Kriterien entsprechen, sind nachvollziehbare Bewertungsansätze für Falzmarken so wichtig wie eh und je.