Die ersten beiden Teile der Serie befassten sich mit der groben Einschätzung einer geerbten Briefmarkensammlung und dem genaueren Blick auf deutschsprachige Sammelgebiete. Im abschließenden drite Teil geht es um die konkreten Moglichkeiten zur Veräußerung einer Sammlung.
Ein Blick in den Katalog schadet nie
Spätestens jetzt ist es an der Zeit, doch einmal einen Blick in einen Briefmarkenkatalog zu werfen. Vermutlich befinden sich schon einige Kataloge bei der Sammlung. Sollte dies nicht der Fall sein, können Kataloge in jeder gut sortierten Bücherei ausgeliehen werden. Für unsere Zwecke reichen die gewöhnlichen Michel-Kataloge aus. Spezialisierte Kataloge braucht man eigentlich nur in Erwägung ziehen, falls man selbst Blut geleckt hat und sich intensiver mit den Marken beschäftigen möchte. Es ist auch nicht erforderlich, dass der Katalog von der allerneusten Auflage ist. Es geht ja nur um einen Überblick.
Man sollte allerdings nie außer acht lassen, dass es in allen Sammelgebieten immer wieder Markenausgaben gibt, die sich auf den ersten Blick sehr ähneln, von denen aber eine deutlich wertvoller ist als die andere. Wenn man sich nicht hundertprozentig sicher ist, um welche es sich handelt, sollte man immer von der billigsten Sorte ausgehen. Nur so kann man spätere Enttäuschungen vermeiden. Und natürlich darf man auch die Möglichkeit von Fälschungen nie ausschließen.
Es bringt nicht viel, sich mit dem Taschenrechner hinzusetzten und einzelne Werte aufzuaddieren. Beim Verkauf zählen sowieso nur die besseren Stücke mit mindestens zweistelligem Katalogwert. Alles andere ist für für Händler wie interessierte Sammler eigentlich nur Ballast. Außerdem sollte man sich auf die Sammlungsteile konzentrieren, die bei der genaueren Durchsicht am vielversprechendsten aussahen. Bei chaotischen Dublettenbüchern und Alle-Welt-Alben lohnt sich das genaue Rechnen nur in den wenigsten Fällen. Es empfiehlt sich aber, eine Liste mit Marken anzulegen, die man als möglicherweise wertvoll einschätzt.
Was tun mit den Schätzen?
Falls man auf genügend interessantes Material gestoßen ist, das einen erfolgreichen Verkauf versprechen könnte, gibt es prinzipiell folgende Möglichkeiten:
1. Die Briefmarkenauktion
Der Gang zum Auktionator kommt im wesentlichen in 2 Fällen in Betracht:
- Es befinden sich sehr wertvolle – am besten bereits geprüfte - Einzelstücke oder möglichst komplette Sammlungen im Nachlass. Für qualitativ hochwertiges Material gibt es trotz Wirtschaftskrise und rückgängiger Sammlerzahlen immer noch einen bedeutenden Markt. Und viele kaufkräftige Sammler und Händler beobachten die Angebote der Auktionshäuser.
- Man möchte möglichst wenig Arbeit mit der Veräußerung haben und gibt den kompletten Nachlass en bloc ab. Hier kann dann auch das weniger wertvolle Material an einen Interessenten gebracht werden.
In beiden Fällen sollte man sich allerdings nicht darauf einlassen, sich die Briefmarken vom Auktionshaus direkt abkaufen zu lassen, es sei denn, man ist in finanzieller Notlage. Den besseren Erlös erzielt man in aller Regel, indem man einen Auftrag zur Versteigerung erteilt. Hierfür werden ca. 30% an Provision und Mehrwertsteuer fällig.
Auktionshäuser findet man auf der Website des Bundesverbandes Deutscher Briefmarkenversteigerer (BDB).
2. Der Briefmarkenhändler
Auch wenn es sich hier um eine langsam aussterbende Spezies handelt, in vielen größeren Städten gibt es noch Briefmarkenhändler mit eigenem Ladengeschäft. Für den Verkauf einer geerbten Briefmarkensammlung eignen sie sich allerdings nur bedingt.
Man sollte schon eine relativ genaue Vorstellung vom Wert einer Sammlung haben, wenn man sie einem Händler vorlegen möchte, den man nicht kennt. Natürlich möchte ich hier keinen Generalverdacht aussprechen, aber eine gewisse Versuchung ist sicher gegeben, wenn absolut unwissende Erben mit Briefmarken ankommen, von deren Wert sie nicht die geringste Ahnung haben. Vor allem für solche Fälle empfiehlt sich die oben empfohlene Aufstellung potentiell wertvoller Stücke.
Aber auch bei fairer Bewertung der Sammlung darf man bei einem Ladenhändler nicht unbedingt einen sensationellen Verkaufserlös erwarten. Zum einen muss er damit kalkulieren, dass die Marken über Monate oder garJahre bei ihm in den Alben stecken, bis er sie verkauft. Zum anderen liefert er bessere Stücke oder ganze Alben vielleicht selbst bei einer Briefmarkenauktion ein und möchte natürlich auch damit einen Gewinn erzielen.
Für “mittelprächtige” Alben, über die Auktionatoren vielleicht etwas die Nase rümpfen, kann ein Ladenhändler aber durchaus eine Alternative sein. Die Chance, einen Betrag x gleich bar auf die Hand zu bekommen, kann für manch einen sicher vorteilhaft sein, auch wenn man sich meist sicher sein kann, dass der Händler seinen Einkaufsaufpreis wird vervielfachen können.
3. Kommissionsverkauf über Online-Händler
Ein nicht zu unterschätzender Grund für den Niedergang des Ladenhandels sind Händler, die ihre Ware ausschließlich im Internet anbieten, sei es über eBay, eine andere Verkaufsplattform oder über einen eigenen Internet-Shop. Auch ich bekenne mich in dieser Beziehung “schuldig”.
Viele Händler sind daran interessiert, Ware in Kommission zu verkaufen. Die Konditionen sind hierbei in etwas vergleichbar mit einem Auktionshaus oder vielleicht auch etwas günstiger.
Der Anreiz für den Händler beim Kommissionsverkauf ist, dass er die Ware nicht selbst kaufen muss, also kein finanzielles Risko trägt. Der Einlieferer wiederum kann im Prinzip jederzeit sehen, was von seiner Ware für wie viel Geld verkauft wurde. Auch ist die Wartezeit auf die Auszahlung meist kürzer als bei einer Auktion, vor allem weil man auch Abschlagszahlungen vereinbaren kann.
Welchen Weg man letztlich einschlagen möchte, hängt natürlich stark von der Substanz der Sammlung aber auch von der persönlichen Einstellung ab.
Was tun mit dem “Bodensatz”?
Aus eigener Erfahrung muss ich leider sagen, dass viele geerbte Sammlungen nicht besonders substanzreich sind. Zwar haben die meisten Sammler zu Lebzeiten viel Geld investiert. Aber leider floss es nur allzu oft in die Taschen überteuerter Versandhändler und in “Neuheiten”-Abonnements bei der Post. Oft machen sich die Erben dann anhand der investierten Summen leider falsche Vorstellungen über den möglichen Verkaufserlös.
Falls bei der kritischen Durchsicht des Nachlasses wenig Wertvolles zu Tage kam, werden viele Laden- und Online-Händler dankend abwinken, weil solche Posten viel Arbeit im Verhältnis zum bescheidenen Erlös bieten.
In so einem Fall empfehle ich, den kompletten Nachlass einem Auktionshaus zut Versteigerung zu übergeben. Über den Erlös darf man sich natürlich keine großen Illusionen machen, aber es ist eigentlich der einzige Weg, einen wenig substanzreichen Nachlass zu verkaufen.
Wer ein gutes Herz hat, kann aber auch in Erwägung ziehen, zumindest Teile einer Sammlung dem philatelistschen Nachwuchs zu spenden. Viele Briefmarkenvereine haben Jugendgruppen, die sich über jede Spende freuen. Es braucht sich hier gar nicht um wertvolle Sachen zu handeln, die reine Freude am Sammeln steht hier im Vordergrund. Allerdings sollte der Erhaltungszustand auch nicht “für die Tonne” sein, damit sich die Jugend nicht mit Altpapier abgespeist vorkommt.
Oder doch nicht verkaufen?
So lange man sich mit dem Gedankaen an einen Verkauf trägt, solange sollte man aber immer auch überlegen, ob sich in der Verwandschschaft nicht doch noch jemand findet, der sich für die Weiterführung der Sammlung interessiert. Oder vielleicht hat die Beschäftigng mit dem Nachlas ja wirklich Lust auf mehr gemacht!
Obwohl ich als Händler vom Briefmarkenverkauf lebe, ist meine Grundeinstellung, dass ein Verkauf immer die schlechteste aller Lösungen ist. Denn nur wenn es Briefmarkensammler gibt, kann man auch Briefmarken verkaufen.
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