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Postgeschichte

Beleg der Woche #5: Notopfer Berlin als Porto-Ersatz

by Oliver Klimek on 27. März 2010

Ortsbrief aus München 1952, frankiert mit sechs Notopfer-Marken

Entweder in Ermangelung einer 10-Pfennig-Marke oder als Spielerei wurde dieser Brief vollständig mit Notopfer-Marken frankiert. Fünf Stück deckten das Porto für den Ortsbrief ab, die sechste diente dann als eigentliches Notopfer. Interessanterweise handelt es sich auch um einen Fünferstreifen und eine Einzelmarke.

Inwieweit diese Art der Frankatur wirklich offiziell zulässig war, entzieht sich leider meiner Kenntnis, da ich das Notopfer-Handbuch nicht besitze und dies wirklich nicht mein Spezialgebiet ist. Aber vielleicht kann der eine oder andere Leser ja für Aufklärung sorgen.

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Einschreibebrief mit einer Zeppelin-Marke von Hamburg nach Argentinien 1932 an eine Postlager-Adresse. Die Postlagergebühr wurde in Buenos Aires mir einer Freimarke verklebt. Genaue Vorgabe des Zuges, vermutlich um noch den richtigen Flug zu erwischen.

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Nach den Einzel- und Mehrfachfrankaturen und der Vorphilatelie geht es heute um Privatganzsachen.

Auch hier sieht man immer falsche Zuordnungen von Händlern und Sammlern. Nur weil eine Ganzsache nicht im “normalen” GA-Katalog verzeichnet ist, muss das nicht zwingenderweise bedeuten, dass es sich dabei um eine von der Postverwaltung gedruckte Ganzsache auf private Bestellung handelt. In den meisten Fällen geschah dies durch Aufdruck eines Wertstempels (manchmal auf mehrerer) auf vom Besteller angelieferte Vorlagen.

Von den Privatganzsachen zu unterscheiden sind nämlich privat hergestellte Zudrucke auf amtlichen Ganzsachen. Es wurden also reguläre Ganzsachen am Postschalter gekauft und bei einer Druckerei mit einem Zudruck versehen. In den meisten Fällen ist die Unterscheidung nicht sehr schwer. Die meisten Privat-Zudrucke findet man in der Form von Firmenwerbung oder Bestell-Formularen auf der Rückseite von gewöhnlichen Postkarten.

Manchmal gibt es aber durchaus kunstvoll gestaltetete Zudrucke auf Vorder- und Rückseite, beispielsweise in Form einer Ansichtskarte, so dass man diese Ausgaben durchaus für Privatganzsachen halten könnte. Im Zweifelsfall hilft hier also nur der Blick in den Spezialkatalog weiter.

Der Gang der Dinge ist bei den Privat-Zudrucken also genau umgekehrt wie bei der Privat-Ganzsache.

An dieser Stelle sei mir noch die Bermerkung erlaubt, dass es mir unerklärlich ist, warum bei den Katalogen für Privat-GA eine Unterschidung zwischen Privat-Ganzsachen und Privat-Postkarten gemacht wird. im Standard-Katalog werden sie ja auch – und das zu Recht – zusammengefasst.

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Im ersten Teil der Serie ging es um korrekte Einzel- und Mehrfachfrankaturen, heute liegt mir die Vorphilatelie am Herzen.

Ich weiß gar nicht mehr, wieviele Händlerkisten auf Messen und Tauschtagen ich schon durchgesehen habe, in denen im der Vorphila-Abteilung Belege steckten, die dort nun wirklich nichts zu suchen haben. Man findet dann zum Beispiel Einlieferungsscheine aus der Krone/Adler-Zeit, Dienstbriefe des Norddeutschen Postbezirkes oder sogar Nachporto-Belege aus der Weimarer Republik.

Bei manchen Händlern (und natürlich auch Sammlern) gibt es offenbar den Automatismus “Keine Marke drauf, also Vorphila”. Das das nicht der Fall ist, sollte eigentlich sofort klar sein. Aber ganz so einfach ist die Sache dann auch wieder nicht, und vielleicht gibt es gerade deshalb immer wieder Fehleinschätzungen.

Wann hört die Vorphila-Zeit auf?

“Na mit Einführung der Briefmarken!” sollte man eigentlich denken. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Die Verwendung von Briefmarken war in der Regel zu Beginn freiwillig, erst später kam es dann zum Frankierzungszwang, der sich in einem erhöhten Nachporto für unfrankierte Briefe wiederspiegelt. Zu allem Überfluss wurde der Frankierungszwang für verschiedene Sendungsformen zu verschiedenen Zeiten eingeführt. Vor allem Auslandsbriefe und Fahrpostsendungen konnten noch längere Zeit bar frankiert werden. Und Dienstbriefe wurden in Deutschland noch mehrere Jahrzente lang nicht frankiert.

So gab es in jedem Gebiet anfangs ein Nebeninander frankierter und unfrankierter Belege. Nun stellt sich natürlich die Frage, wo man den Trennungsstrich ziehen soll. Ein unfrankierter Dienstbrief aus Preußen sah 1845 genau gleich aus wie 1860. Soll man den einen dann in die Vorphila-Kiste tun, und den anderen zu den Briefen aus der Markenzeit?

Die Antwort auf diese Frage muss letztlich jeder für sich selbst finden. Meine persönliche Einschätzung ist, dass man das generelle Ende der Vorphilazeit mit dem Beginn des Frankaturzwanges für gewöhnliche Briefe einläuten sollte. Allerdings sind diese Daten eigentlich nur spezlialisierten Postgeschichtlern geläufig, so dass es für Händler nicht unbedingt viel Sinn hat, sich sklavisch daran zu halten.

Ich würde daher empfehlen, den Begriff  “Vorphila” im Zweifelsfall eher strikt auszulegen und alle Belege ab Beginn der Markenzeit entsprechend dort einzusortieren. Dies dürfte der Verkaufsquote sicher nicht abträglich sein, da die meisten Sammler eher Belege aus der Markenzeit suchen als aus der Zeit der Vorphilatelie. Diese werden sicher nicht jede Vorphila-Kiste durchsehen, während Vorphilasammler wohl eher auch bei den späteren Belegen schauen werden.

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In dieser kleinen Artikelserie möchte ich einmal drei postgeschichtliche Themen aufgreifen, mit denen offenbar selbst so mancher altgediente Briefmarken-Profi seine Probleme hat, obwohl sie eigentlich zum kleinen Einmaleins der Philatelie gehören. Immer wieder sieht man auf Tauschtagen und Messen Briefekisten, in denen man Belege findet, die einen stutzig machen.

Den Anfang macht der Begriff der Einzel- oder Mehrfachfrankatur. Eigentlich sollte das ja eine glasklare Sache sein, auf Englisch würde man no-brainer dazu sagen. Es steht ja sogar unmissverständlich im Vorwort des Michel-Briefekatalogs, dass die Bewertungen nur für portogerechte Belege gelten. Nun ist der Briefekatalog wahrlich nicht das Nonplusultra für die Bewertung von Belegen, aber für die Begriffsbestimmung reicht er allemal.

Wie oft sieht man überfrankierte Belege, auf denen mit Bleistift EF oder MeF gekritzelt steht und die zu 40% Michel ausgezichnet sind. Gerade bei Belegen des Dritten Reiches scheinen sich derartgie Fehlleistungen zu häufen. Ein braunes Band auf Brief ohne Einschreibezettel ist nun einmal keine Einzelfrankatur sondern nur eine gestempelte Marke auf Briefumschlag! Und auch eine blaue 25er auf einem Inlandsbrief ist eben kein portogerechter Doppelbrief, auch wenn er nur um einen Pfennig überfrankiert ist.

Man mag vielleicht damit argumentieren, dass bei den frühen Bund-Belegen eine Mehrfachfrankatur von 3×7 Pf für einen Standardbrief sogar im Michel toleriert wird. Aber hierbei handelt es sich um den Sonderfall, dass es für 21 Pf keine korrekte Verwendungsmöglichkeit gab und deshalb der leicht überfrankierte Fernbrief der Normalfall ist. Für die 25-Pfennig-Marken im Dritten Reich gab es aber sehr wohl eine korrekte und auch überhaupt nicht exotische Portostufe, und zwar den stinknormalen Auslandsbrief der ersten Gewichtsstufe. Und genauso einfach war es auch durch Stückelung möglich, den Doppelbrief korrekt zu frankieren, bevor es Marken zu 24 Pf gab.

Es erscheint aus heutiger Sicht zwar verwunderlich, dass die Reichspost zwei Portosätze hatte, die nur einen Pfennig auseinander lagen. Aber beide ließen sich problemlos korrekt frankieren, und deshalb ist eine 25er auf einem Inlandsbrief eben keine besonders wertvolle Frankatur.

Unwissenheit, Faulheit oder Abzocke?

Über die Gründe derartiger Fehleinschätzungen kann man natürlich nur spekulieren. Weiss der Händler es einfach nicht besser? Dann sollte er sich aber schleunigst auf den Hosenboden setzen! Hat er einfach nicht in der Portotabelle nach den richtigen Portosätzen geschaut? Auch dann ist Nachsitzen angesagt.

Falls es aber Zweck der Übung gewesen sein sollte, philatelistisch weniger bewanderte Kunden durch Vorgaukelung eines besonderen Wertes übers Ohr zu hauen, sollte der Händler einmal in sich gehen und sich überlegen, ob der Schuss nicht irgendwann nach hinten losgehen könnte. Früher oder später wird sich solch ein Verhalten sicher herumsprechen.

Meiner Einschätzung nach dürften die meisten Fehlauszeichnungen wohl eher aus Nachlässigkeit oder Zeitmangel geschehen. Nichtsdestoweniger erscheint es mir wichtig, darauf hinzuweisen.

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Beleg der Woche #3: Die verkannte Seltenheit

by Oliver Klimek on 13. März 2010

Der heute gezeigte Brief steht exemplarisch für eine ganze Klasse von Belegen, die – eigentlich zu Unrecht – von den allermeisten Sammlern links liegen gelassen werden.

Berlin Mi 370 MeF, 2. Gewichtsstufe, Einschreiben mit Nachnahme. Portoperiode 1.1.1979 – 30.6.1982

Mehrfachfrankaturen von Dauerserien-Höchstwerten sind nicht allzu häufig, aber trotzdem interessiert sich kaum jemand für solche Stücke. Bei eBay bleiben solche Belege manchmal sogar liegen oder bringen kaum mehr als 1 oder 2 Euro.

Natürlich handelt es sich hier nicht um eine Top-Rarität, die der Titelseite eines Auktionskataloges würdig wäre. Aber auch bei moderneren Marken gilt der alte Lehrsatz: Portogerechte Einzel- und Mehrfachfrankaturen auf Belegen mit Zusatzleistungen sind keine Massenware!

Bis Anfang der Neunziger Jahre läßt sich praktisch die gesamte Palette an postalischen Leistungen mit frankierten Belegen belegen. Wer postgeschichtlich interessiert ist, dem bieten sich hier für geringes Geld schier unendliche Sammelmöglichkeiten.

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Im Gegensatz zum Deutschen Reich sind Privat-Ganzsachen in der Schweiz keine Besonderheit – obwohl es natürlich auch dort seltene Stücke gibt – und werden von deutschen Händlern oft überbewertet. Mit einer Pro-Juventute-Marke als Zusatzfrankatur, um das Drucksachenporto von 5 Rp auf den Tarif für einen Fernbrief von 15 Rp aufzufrankieren, wird daraus allerdings schon eine Besonderheit. Gelaufen von Frauenfeld nach Zürich.

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In dieser Rubrik möchte ich wöchentlich einen Beleg vorstellen, der irgendeine Besonderheit aufweist. Es muss sich dabei nicht unbedingt um sehr wertvolle Stücke handeln. Auch im Kleinen finden sich oft interessante Dinge.

Den Anfang macht ein Eilbrief, der am 29. November 1923 innerhalb Münchens verschickt wurde, also während der kurzen Periode der Vierfach-Aufwertung. Er ist korrekt frankiert (Porto: 40 Mia. Ortsbrief, 160 Mia. Eilboten = 200 Mia, vierfach aufgewertet 50 Mia.), netterweise mit einer Mischfrankatur zwischen OPD-Aufdruck und normalem Rosettenmuster.

Das Interessante an diesem Brief ist allerdings nicht die Frankatur. Der Nebenstempel “Aus dem Briefkasten” zeigt an, dass der Brief nicht bei der Post aufgegeben wurde. Die Entfernung zwischen dem Absender in der Brienner Str. 8 und dem Empfänger in der Frauenstr. 7 beträgt gerade einmal 1 km Luftlinie. Der Fußweg wäre 1,3 km lang, man könnte ihn also in einer Viertelstunde zurücklegen. Aber trotzdem wurde der Brief frankiert und in den nächstgelegenen Briefkasten geworfen. Auch wenn die Briefkastenleerungen damals deutlich häufiger waren, es wäre fußläufig allemal schneller gegegangen.

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