by Oliver Klimek on 18. Juli 2010
Dieser Vorphilabrief ist nur auf den zweiten Blick als Beleg aus Deutschland zu erkennen, trägt er doch einen französischen Stempel mit Departement-Nummer und französischem Ortsnamen. Aber eigentlich handelt es sich um einen Brief von Zweibrücken nach Frankfurt.
In den französischen Revolutionskriegen eroberte Napoleon die linksrheinischen deutschen Gebiete und annektierte sie als Departements. Das Departement mit der Nummer 100 hieß Mont-Tonnerre (Donnersberg) mit der Hauptstadt Mainz. Der Ortsname Zweibrücken ließ sich trefflich zu Deux-Ponts übersetzen.
by Oliver Klimek on 27. Juni 2010
Hier wieder einmal ein Beleg aus der Kategorie Kleine Nettigkeiten. Der Brief von Bern nach St. Fiden aus dem Jahr 1934 ist mit 45 Rappen zwar überfrankiert, die nicht vom Maschinenstempel erfasste Marke wurde aber vorschriftsmäßig nachentwertet.
Für die nachträgliche Entwertung wurde ein stummer Zweiring-Stempel verwendet, der normalerweise für die Entwertung von Grobsendungen – also Päckchen etc. – benutzt wurde.
Es gibt auch Belege aus dem Ausland, die auf diese Weise nachentwertet wurden.
by Oliver Klimek on 16. Juni 2010

Dieser Brief von Zürich nach Wien aus dem Jahr 1916 ist in zweierlei Hinsicht interesant. Zum einen ist er mit seltenen Einheiten der Michel-Nr 125 (Zumstein 133) frankiert, was ihn allein schon materiell recht wertvoll macht.
Nicht minder interessant ist aber auch die Tatsache, dass der Brief von der Zensur beanstandet und wegen verbotenen Einschlusses an den Absender zurück ging. Absender war ein gewisser Herr Ernst Zumstein, und da braucht man sicher nicht lange rätseln, was sich wohl in dem Brief befunden haben mag.
Ich habe die Schweizer Amtsblätter nicht zur Hand, aber allem Anschein nach war Versand von (vielleicht frankaturgültigen) Briefmarken aus einem neutralen Land wie der Schweiz an einen Kriegsteilnehmer unerwünscht.
by Oliver Klimek on 30. Mai 2010
Im Gegensatz zum recht gewöhnlichen Germania Ganzsachenausschnitt von neulich ist dieses Stück schon etwas Besonderes. Es handelt sich um GAA 2 von Preußen auf einem Paketbegleitbrief von Körlin nach Elbing.
Solch ein Ausschnitt auf Beleg ist an sich schon recht selten. Die normale Verwedung für 2 Sgr. wäre allerdings auf einem Brief der 1. Gewichts- und 2. Entfernungsstufe bzw. der 2. Gewichts- und 1. Entfernungsstufe gewesen.
Paketbegleitbriefe sind da schon wesentlich seltener. Und verstärkend hinzu kommt noch, dass das Porto von 2 Sgr. recht niedrig für ein Paket ist, was an der Kombination von niedrigem Gewicht (3 Pfund. 13 Loth – also ca. 1,8 kg) und der kurzen Entfernung zwischen Absende- und Empfangsort liegt. Mit den exakten Tarifen kann ich allerdings leider nicht dienen.
Interessant ist dazu auch noch der Durchgangsstempel von Kolberg als Einzeiler aus der Vorphilazeit.
by Oliver Klimek on 23. Mai 2010

Heute möchte ich einen Infla-Beleg vorstellen, dessen Besonderheit man erst auf den zweiten oder gar dritten Blick erkennen kann. Die Paketkarte von Weißenburg nach Konstantinopel aus dem Jahr 1922 hat natürlich eine beachtliche Frankatur. Auf der Rückseite kleben immerhin 9 Exemplare der Michelnummer 138.
Aber darum geht es hier gar nicht. Die Besonderheit erschließt sich erst, wenn man sich diese Marken näher ansieht. Sie haben nämlich alle ein Loch. In der Inflationszeit war es Vorschrift, die hohen Wertstufen für eventuelle Markendiebe unattraktiv zu machen. Dies geschah entweder durch Schwärzung oder durch Lochung der Marken und wurde offiziell als Sicherungsentwertung bezichnet.
Allerdings wurde aller Regel immer die bereits frankierte Karte gelocht. Hier hat der Postbeamte offenbar ein ruhige Phase am Schalter ausgenutzt, um die Marken bereits vor dem Verkleben gelocht, um sich die Arbeit zu erleichtern. Ein derartiger Beleg ist mir bisher nur dieses einzige Mal unter die Augen gekommen.
by Oliver Klimek on 16. Mai 2010
Postkarte von Altenburg nach Plauen von 1901, frankiert mit einem Ganzsachen-Ausschnitt der Germania Reichspost.
Von vielen Sammlern gesucht sind Belege, die mit Ausschnitten aus Ganzsachen frankiert wurden. Dies war in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen auch von der Post erlaubt. Aus der Zeit der altdeutschen Staaten sind derartige Belege sehr selten und werden enstprechen teuer gehandelt. GAA-Frankaturen werden dort sogar im Michel-Katalog bewertet.
Generell kann man sagen, dass die Seltenheit dieser Frankaturen mit fortschreitender Zeit abnimmt. In der Nachkriegszeit werden sie eher als Kuriosum mit allenfalls minimalem Preisaufschlag betrachtet, aus der Infla-Zeit sind sie schon seltener, und davor muss man schon eine Weile suchen, um einen GAA-Beleg zu entdecken.
Doch preislich bewegen sich diese Belege – sicher auch wegen der Nicht-Katalogisierung – auch aus der früheren Zeit des Deutschen Reiches im durchaus erschwinglichen Rahmen, mit etwas Glück findet man sie sogar in einer Wühlkiste.
by Oliver Klimek on 25. April 2010
Aufgrund ihres attraktiven Aussehens sind die Württemberger Steigbügelstempel bei Sammlern sehr beliebt. Eigentlich handelt es sich bei dieser Stempelform um eine “Erfindung” der Post von Thurn und Taxis, die den Postbetrieb in Württemberg bis zur Einführung der Briefmarken 1851 in Eigenregie übernommen hatte.
Für die hier abgebildete Postkarte von Schömberg nach Stuttgart aus dem Jahr 1884 wurde der eigentlich schon mit Beginn der Pfennigzeit 1875 durch einen Ablöser erstzte Steigbügelstempel noch einmal aus der Versenkung geholt.
Da alle Steigbügelstempel aus Württemberg spätestens mit Ende der Kreuzerzeit durch andere Stempel ersetzt wurden, sind Entwertungen aus der Pfennigzeit nicht sehr häufig.
by Oliver Klimek on 18. April 2010
Dieser Antwortteil einer Germania-Doppelkarte wurde 1915 von New York nach Karlsruhe verschickt. Neben dem Wertstempel klebt eine amerikanische Zwei-Cent-Marke. Offenbar war sich der Absender nicht bewußt, dass diese Karte nach den Regeln des Weltpostvereins bereits für die Rücksendung vorausfrankiert war und einfach in den Briefkasten geworfen werden konnte. Das Wort “Antwort” steht eben nur auf Deutsch und der UPU-Sprache Französisch auf der Karte.
Auch hierbei handelt es sich nicht um eine große Seltenheit. Aber von postgschichtlichem Interesse sind solche Belege allemal.
by Oliver Klimek on 11. April 2010
Postkarte mit Bahnpost-Stempel von 1912, gelaufen zum Inlandstarif im Wechselverkehr nach Gelsenkirchen
Hier ein kleines Beispiel, welch nette Belege man mit etwas Spürsinn in Wühlkisten finden kann. Selbst erfahrene Händler schauen manchmal nicht richtig auf die Stempel. Und wenn es sich dann noch um eine kleine Bahnpost-Linie handelt, um so besser.
Schimpach ist einer der 21 Ortsteile von Wincrange, das als Ganzes heute nur 3600 Einwohner hat. Kautenbach ist einer von 7 Ortsteilen von Kiispelt mit insgesamt nur 950 Einwohnern.
by Oliver Klimek on 3. April 2010

So gut wie jeder Schweiz-Sammler weiß, dass es die 10 Rp Tell (Michel 118 oder Zumstein 126) in zwei Typen gibt, die sich durch die Lage des Querbalkens im E von HELVETIA unterschieden.
Auf diesem Auslandsbrief von Riggisberg nach Heidelberg kleben beide Typen nebeneinander. Hinzu kommt noch ein 5 Rp Tellknabe, um das Auslandsporto von 25 Rp zu vervollständigen.
Diese Frankatur ist keineswegs häufig, denn wo kam es schon vor, dass Bögen beider Typen auf dem Postamt vorhanden waren?
Übrigens illustriert der Brief auch eine Besonderheit der schweizer Orthographie. Zwar wurde auch in der Schweiz die vereinheitlichte deutsche Rechtschreibung von 1901 angewandt, bei vielen Ortsnamen kursierten aber verschiedene Schreibweisen, die sich teilweise am schweizer Dialekt orientierten.
Hier nennt der Gemeindeschreiber seinen Ort Rüeggisberg, während auf dem Poststempel Riggisberg steht, was auch die heute übliche Schreibweise ist.
Eine weiteres Beispiel ist der Ort Rapperswil, von dem es ältere Stempel mit der Inschrift Rapperschwyl gibt. Zum einen wird der Name im örtlichen Dialekt wirklich mit sch ausgesprochen, zum anderen herrschte lange eine gewisse Verwirrung, ob man die vielen …wils in der Schweiz nun mit y od i schreiben soll. mittlerweile hat sich das i aber durchgesetzt.