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Allgemein

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

by Oliver Klimek on 26. April 2010

Top?

Und wieder einmal liegt mir ein kleines Ärgernis auf dem Herzen,  das leider tägliches Brot bei Auktionsbesichtigungen ist. Exemplarisch greife ich jetzt einmal das Deutsche Reich heraus, prinzipiell ist es bei anderen Sammelgebieten nicht viel anders.

Mit konstanter Bosheit verfolgen mich Sammlungen, in denen die Germania-Markwerte falsch einsortiert sind. Und ich meine jetzt ausdrücklich nicht die Unterscheidung zwichsen Kriegs- und Friedensdrucken. Denn diese ist – vor allem bei ungebrauchten Marken – nicht so einfach.

oder Flop?

Nein, es geht hier schlicht und einfach um die Ausgaben, die sich auch mit unbewaffnetem Auge eindeutig  am Markenbild unterscheiden lassen. Das Paradebeispiel hiefür ist natürlich die 5 Mark Reichspost (Michel 66). Wie oft ich in Vordruckalben an dieser prominenten Stelle schon die Inschrift Deutsches Reich gelesen habe, vermag ich nicht mehr zu zählen.

Beliebt ist natürlich auch der 2-Mark-Wert mit gotischer Inschrift (Michel 79). Allzuoft finden sich hier die Werte mit lateinischer Inschrift wieder, hin und wieder auch einmal die Reichspost-Ausgabe, die ja bekanntlich wieder eine andere Schriftart besitzt.

Was mag der Grund für diese ständigen Verwechslungen sein? Der alte Spruch von Gier frißt Hirn? Die Eitelkeit vieler älterer Herren, möglichst ohne Lesebrille auszukommen? Vollständiges Fehlen philatelistischen Sachverstandes? Mit Sicherheit kann man es natürlich nicht sagen, bedauerlich ist es aber allemal.

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Ohne Zähne heißt nicht immer “ungezähnt”!

by Oliver Klimek on 31. März 2010

Die abgebildete Marke fand ich in einer eigentlich recht gepflegten kleinen Spezialsammlung der Reichspost-Ausgaben Pfennige bis Krone/Adler. Anhand der vielen geprüften Marken und auch sonst recht gut beschriebenen Besonderheiten wie Farben, Größenunterschiede oder Plattenfehler hätte man eigentlich auf eine gewisse Sachkenntnis des Vorbesitzers schließen können.

Aber hier stand neben der Klemmtasche etwas schüchtern “45 U?”. Natürlich handelt es sich hier um einen popeligen Ganzsachenausschnitt, genauer gesagt um einen Ausschnitt aus dem Streifband S8, das selbst in unversehrtem Zustand keineswegs selten ist.

Und dieses Beispiel ist wahrlich kein Einzelfall. Immer wieder stößt man in Sammlungen auf vermeintlich ungezähnte Marken, die sich in aller Regel als Ganzsachenausschnitte oder beschnittene Originalmarken entpuppen.

Es scheint wohl weniger das fehlende Wissen zu sein als die Sehnsucht, seltene Marken zu besitzen, die viele Sammler dazu veranlaßt, ihr Hirn auszuschalten. Schon ein genauerer Blick aufs Papier macht in unserem Fall ja unmissverständlich klar, dass es sich hier auf keinen Fall um die begehrte Seltenheit handeln kann.

Etwas anders liegen da die Dinge im Infla-Bereich. Hier gibt es eimmer wieder anzutreffende Besonderheit, die einen zuerst an eine teilgezähnte Marke denken läßt.

Aber schon in der Einführung zum Infla-Teil des Spezialkataloges werden diese scheinbar unten ungezähnten Marken erwähnt, bei denen es sich in Wirklichkeit um einen versetzten Kammschlag der Zähnungsmaschine handelt.

Nur wenn der Unterrand größer als 1 cm ist, wird eine solche Marke als uU anerkannt, weil dann mit Sicherheit davon auszugehen ist, dass der letzte Kammschlag bei der Zähnung wikrlich ausgeblieben ist.

Aber obwohl es ausdrücklich im Katalog steht, verschließen auch hier viele Sammler ihre Augen vor der Realität und träumen lieber von den Schätzen und Reichtümern die sie in ihren Alben wähnen.

Und die Moral von der Geschicht: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!

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Abartiges im Katalog

by Oliver Klimek on 1. März 2010

Abart oder nicht Abart? Diese Frage erhitzt schon seit Jahrzehnten die Gemüter der Briefmarkensammler, und sie wird es auch noch weiter tun. Eigentlich ist dazu ja schon alles gesagt. Michel hat sogar einen Abartenführer herausgegeben, in dem peinlich genau aufgelistet wird, was alles  eine normgerechte Abart ist und was nur als Druckzufälligkeit betrachtet werden kann, die keinen besonderen Preisaufschlag rechtfertigt.

Ich will hier auch gar nicht  um die korrekte Einordnung von Druck-Besonderheiten streiten. Der Definition des Abartenführers stimme ich zu 100% zu. Es geht mir vielmehr darum, dass diese Einordnung im Katalog auch konsequent angewandt wird.

Es wird so lange Verunsicherung über dieses Thema geben, wie Druckzufälligkeiten katalogisiert und bewertet werden. Ein Musterbeispiel hierfür ist der gezeigte Schraubenkopfabdruck auf einer Brustschild-Marke. Er ist im Michel Spezial sogar mit Abbildung erwähnt und verdiene die zwei- bis dreifache Bewertung einer Normalmarke. Es handelt sich aber zweifellos um eine Druckzufälligkeit, die sich “hin und wieder” (Originaltext Michel) auf den Marken findet, weil die Schrauben nicht fest genug angezogen waren. Auch die Formatunterschiede und die rauhe Zähnung sind streng genommen Zufälligkeiten, da sie in der Unzuverlässigkeit der Zähnungsmaschine begründet sind. Trotzdem werden sie bewertet.

Nein, ich meine mitnichten, dass ich diese interesanten und optisch teilweise sehr attraktiven Stücke für nicht sammelwürdig halte. Aber was bringt es denn nun, wenn sich die Michel-Redaktion die Mühe einer genauen Abgrenzung macht, sogar ein eigenes Büchlein dazu auf den Markt bringt, aber dieses Konzept im eigenen Katalog nicht konsequent durchsetzt? Vor einigen Jahren hat man schließlich auch auf die Katalogisierung von Doppelbilddrucken beim Offsetdruck als DD verzichtet, weil es sich um eine Druckzufälligkeit handelt.

Natürlich liegt es daran, dass für derartige Stücke bereits von Beginn an teils sehr ordentliche Beträge gezahlt wurden. Und sicher fürchtet die Redaktion den Aufruhr der Sammler, die die Herausnahme aus dem Katalog als eine Wertvernichtung betrachten würden.

Die Verwirrung wird komplett, wenn man sich einmal bei unseren Nachbarn in der Schweiz umschaut. Hier exisitiert nämlich die Unterscheidung in Abart und Druckzufälligkeit überhaupt nicht! Im Zumstein-Spezialkatalog werden Quetschfalten, Farbkringel, Abklatsche etc. munter drauflos katalogisiert, mit zum Teil vierstelligen Bewertungen, und alles unter dem Stichwort “Abart”.

Da liegt es doch auf der Hand, dass sich die Kataloghersteller einmal zusammensetzten sollten, um sich über diese Problematik zu einigen.

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