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Philasophie

Die Briefmarke – ein Fremdkörper im Internet?

by Oliver Klimek on 28. Februar 2010

Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung: Der Briefmarkenhandel über eBay ist seit Jahren nicht mehr aus der Philatelie wegzudenken, jeder Verein hat seine Homepage, es gibt Diskussionsforen, Sammlerhomepages und Online-Shops. Aber wenn man einmal etwas genauer hinschaut, relativiert sich dieser positive Eindruck schnell wieder. Vor allem, wenn man die Philatelie mit anderen Freizeitbeschäftigungen vergleicht, erkennt man schnell, wie altbacken es dort zuweilen zugeht.

Homepages von Vereinen und Arbeitsgemeinschaften wurden zum Teil seit Jahren nicht mehr aktualisiert, die grafische Gestaltung ist oft derart unprofessionell, dass man lieber schnell wieder das Bunti-Blinki-Design wegklickt, als sich näher mit den Inhalten zu befassen. Links verweisen auf längst nicht mehr vorhandene Seiten, und oft wird nicht viel mehr angeboten als die Vereinssatzung und Veranstaltungstermine.

Alles zusammen genommen, hat man den Eindruck, als seien große Teile des philatelistischen Internet-Angebotes auf dem Stand von anno 1999 stehengeblieben. Man “ist auch im Internet”, veröffentlicht das, was man zu sagen hat, auf seiner Homepage und wartet darauf, dass der Besucherzähler eine Raste weiter klickt. Das alte Konzept des Internets als informationeller Einbahnstraße herrscht noch weitgehend vor.

Heutzutage geistert oft der Begriff Web 2.0 durch die Medien. Die Wortwahl finde ich nicht wirklich gelungen, doch was er aussagt, ist um so bedeutender. Im Vergleich zum eben beschrieben Zustand (auch Web 1.0 genannt) steht im modernen Internet die Vernetzung und Interaktion im Vordergrund. Man stellt nicht nur quasi eine elektronische Zeitungsanzeige ins Netz, sonden man tritt miteinander in den Dialog.

Vorreiter des neuen Internet-Konzepts waren die Foren und Chats. Immerhin gibt es da ja eine Handvoll in der Briefmarken-Szene, auch wenn man nicht unbedingt von einer großen Vielfalt sprechen kann. Aber was ist mit “sozialen Netzwerken” wie Facebook oder Mysapce? Wieviele regelmäßig gepflegte Briefmarken-Blogs in deutscher Sprache gibt es? Wer ist bei Twitter? Fast totale Fehlanzeige!

Das Internet – ein Fremdkörper in der Philatelie?

Dabei sehe ich gerade in dieser Möglichkeit zur Vernetzung über räumliche Grenzen hinweg die größte Chance für die Philatelie, den Weg aus der Vergangenheit in die Zukunft zu finden. Und dies gilt nicht nur für Sammler untereinander. Auch Händler und Zubehörproduzenten können viel schneller auf die Wünsche Ihrer Kunden reagieren, als dies mit herkömmlichen Mitteln möglich ist.

Auch für das Marketing bieten die neuartigen Konzepte des Web 2.0 bisher ungeahnte Möglichkeiten. In vielen Branchen ist diese Botschaft schon angekommen. Firmen haben ihre eigenen Blogs, twittern fröhlich umher und haben Ihre Facebook-Fangemeinde. Der Schwaneberger-Verlag hat mit der Michel-Community da schon einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, aber in weiten Teilen der Philatelie herrscht weiter eine gespenstische Stille.

Ein Teil des Problems ist sicher, dass die Beschäftigung mit Briefmarken und Belegen, zumal wenn sie alt sind, generell eine eher nach rückwärts gewandte Tätigkeit ist. Dazu kommt noch, dass die Philatelie strukturell äußerst konservativ ist, vom Altersdurchschnitt der Protagonisten einmal ganz abgesehen. In Vereinen, Verbänden und Argen herrscht oft noch eine ausgeprägte Vereinsmeierei mit Besitzstandsdenken und Postengeschacher, teils auch verbunden mit grundsätzlichen Ressentiments gegenüber Neuerungen.

Solange es altgediente und hochdekorierte Anhänger der “organisierten Philatelie” gibt, die schon das Mitwirken in Diskussionsforen als selbstdarstellerisch und unter ihrer Würde abqualifizieren, ist klar, dass noch ein weiter Weg zu gehen ist, bis die Philatelie endgültig in der Gegenwart angekommen ist.

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Totgesagte leben länger

by Oliver Klimek on 26. Februar 2010

Wie oft wurde das Briefmarkensammeln nicht schon für tot erklärt. Überalterung der Sammler, schlechte Wertentwicklung, Desinteresse der Jugend; die immer wieder gleichen Argumente werden schon seit Jahrzenten vorgebracht. Es soll sogar schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts derart sorgenvolle Stimmen gegeben haben.

Aber irgendwie muss an der Philatelie doch etwas dran sein, denn sie ist einfach nicht totzukriegen. Trotzdem sollte man die Warnung nicht vollkommen in den Wind schreiben. Die Zahl der organisierten Sammler sinkt in dem Maße, wie das Durchschnittsalter der Sammler steigt. War das Briefmarkensammeln früher fast schon ein Automatismus – zumindest für die männliche Jugend -, so muss es heute gegen Pokemon, Internet-Surfen oder Computerspiele ankämpfen.

Doch gerade das Internet stellt eine auch große Chance für die Philatelie dar. Sammler müssen sich nicht mehr nur in verrauchten Hinterzimmern beim Vereinsabend treffen, sondern können Ihrer Leidenschaft auch in Foren, Chats und sozialen Netzwerken frönen. Die weltweite Vernetzung ermöglicht einen Erfahrungsaustauch, der mit Briefmarkenverein und -Zeitungsabonnement allein nicht zu verwirklichen ist. Und nicht zuletzt dadurch ergibt sich die Chance, auch wieder jüngere Leute für die Philatelie zu begeistern.

Es reicht allerdings nicht aus, nur darauf zu warten, bis einem gewissermaßen die Basler Täubchen ins Album fliegen. Das Zauberwort im Internet heist “teilen”. Je mehr Sammler ihr Wissen an andere weitergeben, desto attraktiver wird die Philatelie für Neulinge, und auch man selbst wird davon profitieren. Ich sehe aus meiner täglichen Erfahrung im Internet, dass es viele jüngere Sammler gibt, die sich bewußt nicht der traditionellen “organisierten Philatelie” anschließen wollen. Diese Tatsache gibt mir das beruhigende Gefühl, dass die Philatelie auch diese Herausforderung bestehen kann. Dies wird allerdings nur gelingen,  wenn sich die “Altvorderen” auch auf die veränderte Situation einstellen.

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