Alles nur halb so tragisch?
Mein Artikel über die starken Vorbehalte der BDPh-Fälschungsbekämpfungsstelle gegen den Online-Handel blieb natürlich nicht ohne Reaktionen. Auf meine Bitte um eine offizielle Stellungnahme von Seiten des BDPh im dortigen Forum entspann sich eine interessante Diskussion über die Fälschungsbekämpfung im allgemeinen.
Auf die Antwort der BDPh-Offiziellen warte ich – wenig überraschend – noch immer, aber immerhin hat Lars Böttger klar gemacht, dass seine Aussagen dahingehend zu interpretieren seien, dass er den Online-Handel nur unter starken Vorbehalten empfehlen kann, und dass die Liste empfehlenswerter Händler (ja es gibt sie doch!) nur weit kürzer sei als die der dubiosen. Warum denn nicht gleich so? Dass insbesondere bei eBay einiges im Argen liegt, ist ja wohl kaum zu bezweifeln.
Ein Einzelkämpfer für den Sammlerschutz
Im Verlauf der Diskussion wurde traurige Gewissheit, was einige vielleicht nicht so erwartet hätten: Die “Bundesstelle Fälschungsbekämpfung” des BDPh besteht einig und allein aus der Person Lars Böttger, der diese Funktion ehrenamtlich und nebenberuflich ausübt; zusätzlich zu seinen Aktivitäten als Aussteller sowie als angehender Juror und Luxemburg-Prüfer.
Natürlich gibt es für die Fälschungsbekämpfung auch Zuträger und kompetente Ratgeber unter den BPP-Prüfern und engagierten Sammlern. Aber angesichts der jedermann bekannten Anzahl von Stunden, die ein Tag hat, ist logisch, dass der Zeitanteil, in dem aktiver Sammlerschutz betrieben wird, sehr eng begenzt ist.
Konzentration aufs Wesentliche?
Die aktive Fälschungsbekämpfung spielt sich zum allergrößten Teil auf eBay ab, der Rest des Briefmarkenmarktes bleibt leider weitgehend verschont. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Zwischen dem BDPh und eBay gibt es eine Kooperation, durch die es ermöglicht, entlarvte Fälschungsangebote unkompliziert löschen zu lassen, falls sich der Verkäufer weigert, dies von sich aus zu tun. Im Prinzip genügt also eine E-Mail, um ein faules Ei vom Markt verschinden zu lassen.
Der Rest ist Schweigen
In den Offline-Bereichen des Briefmarkenhandels hat die Fälschungsbekämpfung eine weit geringere Möglichkeit zur Einflussnahme. Hier ist man auf Gedeih und Verderb auf die Kooperationbereichtschaft des Handels angewiesen. Zwar gelingt es hin und wieder, Auktionshäuser zur Rücknahme offensichtlich falscher Lose zu bewegen, aber dies bleibt leider die Ausnahme.
In vielen Auktionskatalogen finden sich Einzellose, die schon mit Hilfe eines Michelkataloges als Fälschungen entlarvt werden können. Vom dubiosen Material, das unbeschrieben in Sammlungen oder Wühlkisten untergebracht wird, ganz zu schweigen. Darauf angesprochen, dass sich in manchen Sammelgebieten Fälschungen häufen, reagieren viele Auktionatoren nur mit dem Totschlagargument “Unseren Kunden ist die Probematik bekannt”.
Und noch düsterer sieht es im Bereich von Messen und Tauschtagen aus. Hier schaut den Händlern keiner in Alben und Belegekisten, ob das darin befindliche Material auch wirklich koscher ist. Stücke, die bei eBay keine zwei Tage überleben würden, werden hier oft nonchalant an ahnungslose bzw. naive Sammler verkauft.
Um so erschreckender ist dieser Zustand, wenn man bedenkt, dass viele Händler und Auktionhäuser in Verbänden (BDB und APHV) zusammengeschlossen sind, die sich einen Ehrenkodex gegen unlauteren Handel gegeben haben. Angesichts der Vielzahl dubioser Angebote auch bei Verbandsmitgliedern sieht man, was solche freiwilligen Verpflichtungen wert sind.
Ist eBay wirklich so schlecht?
In diesem Licht erscheint es geradezu geschäftschädigend für den Sammlerschutz, wenn er vor dem Handel auf eBay warnt. Schließlich ist dies doch der einzige Bereich, bei dem nennenswert etwas in Sachen Fälschungsbekämpfung getan wird, und in einigen Sammelgebieten auch durchaus mit einem gewissen Erfolg. Duch solche Warnungen wird die Fälschungsbekämpfung geradezu ad absurdum geführt.
Gibt es einen Ausweg?
Betrüger, Nepper, Schlepper und Bauernfänger wird es natürlich immer geben, dieser Bodensatz des Briefmarkenmarktes ist ja nur ein kleiner Teil des prallen Lebens, das Polizei und Justiz auf Trab hält. Aber klar ist, dass man der Sache nicht Herr wird, wenn man sich mit der Bekämpfung nur auf den Online-Handel konzentriert, zumal auch umsatzmäßig der klassiche Briefmarkenhandel noch weit vorne liegen dürfte.
Da die Selbstverpflichtung des Handels augenscheinlich nichts bringt, bleibt nur der Ausweg, die Strukturen aller philatelistischen Verbände so zu organisieren, dass es eine neurale Kontrollinstanz gibt, die gegenüber Missetätern rechtlich bindende Sanktionen aussprechen kann.
Wissen ist Sicherheit
Ein weiterer Faktor von unschätzbarer Wichtigkeit ist natürlich auch die Aufklärung der Sammler über Fälschungen und Manipulationen. Denn solches Material wird ja nur von Sammlern gekauft, die dies nicht erkennen. Angesichts vieler glaubhafter Berichte über einen sehr starken Hang zur Beratungsresistenz bei vielen Sammlern dürfte dieser Weg allerdings kaum weniger schwer zu gehen sein als der, das Übel bei der Wurzel anzupacken.