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Dies und Das

Aus dem Nähkästchen eines Briefmarkenhändlers #1

by Oliver Klimek on 2. Juli 2010

Das hat man nun davon, dass man ehrlich ist

Als Händler erlebt man manchmal wundersame Dinge. Vor einiger Zeit habe ich über eine beliebte Verkausplattform eine postfrische Marke aus der Zeit des Driten Reiches versteigert, kein absoluter Spitzenwert aber doch schon etwas seltener.

Nach ein paar Wochen schickte der Käufer die Marke wieder zurück, da ein BPP-Prüfer (keiner der Schlegels) den Gummi als Fälschung entlarvt hatte, zusammen mit der Kopie einer Prüfrechnung. Natürlich erstattete ich gleich Kaufpreis und Prüfrechnung, wie in meinen AGB versprochen.

Ich hatte an der Echtheit des Gummis auch nicht gezweifelt, da er sich von Vergleichsstücken nicht unterschied, und auch das Druckrelief war rückseitig im Streiflicht gut erkennbar. Als ich mir das gute Stück dann etwas näher ansah, fiel mir auf, was ich leider vorher nicht bemerkt hatte: Der Prüfstempel “Gummi falsch” hatte kein BPP-Signum!

Wie kommt ein BPP-Prüfer dazu, eine Marke ohne BPP-Signum zu stempeln? Oder sollte er sie vielleicht gar nicht gestempelt haben? Jedenfalls ist die Prüfung der Marke nicht gemäß der BPP-Prüfordnung ausgeführt worden, deshalb habe ich meine Erstattung nachträglich unter den Vorbehalt der Nachprüfung gestellt.

Zur Zeit weilt die Marke in Berlin und harrt der Begutachtung durch einen der oben eingeklammerten Prüfer. Da bin ich ja mal gespannt.

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Die Mär vom sicheren Einschreiben

by Oliver Klimek on 12. März 2010

Immer wieder kommt es vor, dass Käufer auch für relativ geringwertige Lose ausdrücklich Versand als Einschreiben wünschen. Da ihnen wichtig ist, dass der Brief ankommt, wählen Sie eine Versandform, bei der Sie sich sich in Sicherheit wiegen, dass das Verlustrisiko möglichst klein ist.

Leider sagt meine persönliche Erfahrung aus über zehn Jahren etwas völlig anderes aus. Ich verschicke ungefähr 10% meiner Briefe als Einschreiben. Aber auf einen verloren gegangenen Normalbrief kommen ca. 10 Verluste von Einschreibebriefen. Anders ausgedrückt gehen Einschreiben ca. 100 mal öfter verloren als Normalbriefe!

Aber warum? Ein Einschreiben ist doch so sicher? Tja, leider menschelt es auch im Postdienst. Wenn auf einem Brief ein Einschreibezettel klebt, vermittelt das, dass der Inhalt einen gewissen Wert haben muss, sei es nun ideell oder materiell. Und wenn dann vielleicht auch noch schöne Briefmarken darauf kleben, ist es schon von außen ersichtlich, dass es sich hier nicht “nur” um eine langweilige Vertragskündigung handelt. Also wird dann auch mal zugegriffen. Und nicht umsonst steigt die Verlustrate in der Vorweihnachtszeit spürbar an, wenn Omas ihren Enkeln Karten mit Einlage schicken.

Natürlich sind Einschreiben auch bis 25 Euro versichert (20 Euro beim Einwurfeinschreiben), und die Post zahlt immerhin anstandslos ohne Rückfrage bei jedem Verlust den vollen Betrag aus. Aber beim Versand von Briefmarken oder Belegen geht es ja primär darum, dass das gute Stück auch wirklich ankommen soll.

Meine Empfehlung: Die sicherste Versandform bleibt der unversicherte Normalbrief. Und auch wenn es den Briefmarkensammler schmerzt, eine langweilige Dauerserienfrankatur macht den Versand nur noch sicherer. Je mehr bunte Bildchen auf dem Brief kleben, um so gefährlicher.

Es ist natürlich traurig, aber es bringt auch nichts, vor den Realitäten die Augen zu verschließen.

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Top 10 des Grauens bei der Auktionsbesichtigung

by Oliver Klimek on 3. März 2010

Platz 10: Die erzwungene Mittagspause

Gewisse Auktionshäuser machen über Mittag ihren Laden dicht, ob man nun Hunger hat oder nicht. Wie schaffen es die anderen bloß, ihre Geschäfte durchgehend abzuwickeln?

Platz 9: Der Dauerbrenner

Ein Album habe ich in drei Jahren viermal besichtigt, und dabei war ich nicht einmal bei jeder Auktion dabei. Als es dann beim fünften Mal zum halben Preis angeboten wurde, habe ich es zum Untergebot bekommen. Warum nicht gleich so?

Platz 8: Der Blümchenkaffee

Es ist ja eine nette Geste, wenn den Kunden etwas zur Stärkung zwischendurch angeboten wird. Und es ist sicher auch als ein Zeichen medizinischer Rücksichtnahme zu werten, wenn die Stärke des gereichten Kaffees umgekehrt proportional zum Durchnittsalter der Kundschaft ist. Aber man kann es auch übertreiben. Dann lieber nur beim Mineralwasser bleiben, und Strom spart’s auch noch.

Platz 7: Das zurückgezogene Los

Irgendjemand hat also doch noch gemerkt, dass die im Katalog erwähnte Chicagofahrt eine Fälschung ist.

Platz 6: Der reichhaltige Posten

OK, reichhaltig ist ein sehr relativer Ausdruck. Bei Mecklenburg-Strelitz sicht reichhaltig im allgemeinen etwas magerer aus als bei den berüchtigten Hindenburg-Dubletten. Aber etwas mehr als eine locker gesteckte Steckkarte dürfte es dann doch schon gerne sein.

Platz 5: Der Klemmbinder

Geht immer nur bei einem selbst auf, nie beim Nachbarn.

Platz 4: Die Plaudertasche

Ein wenig Konversation am Besichtigungstisch kann ja die Atmosphäre durchaus etwas auflockern. Aber muß man wirklich jede Albumseite kommentieren? Gerne auch als Selbstgespräch im Angebot.

Platz 3: Die eingeklebten Belege

Damit’s auch wirklich auf dem Albumblatt hält, nimmt man am besten UHU. Doppelklebeband hält auch in Klarsichthüllen. Und nur keine Scheu vor Lithokarten!

Platz 2: Die urige Fundgrube für den Sammler mit Zeit

Nur mit spitzen Fingern zu handhaben, oder vielleicht holt man besser doch noch schnell die Latexhandschuhe aus dem Verbandskasten. Der kalte Rauch, der aus den tieferen Regionen des Kartons aufsteigt, ließe sich allerdings nur mit einer Gasmaske bändigen. Wie gelb können Plastikhüllen eigentlich werden?

Platz 1: Der Lindner-Falzlos-Vordruck

Schweißperlen auf der Stirn und feuchte Handflächen. Wird es gelingen, den schwarzen Einser unfallfrei aus dem Album zu operieren? Oder sollte ich vorsorglich lieber doch gleich das Albumblatt zerstören?

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