Mit Interesse las ich in der Juli-Ausgabe der PHILATELIE den Bericht über die Jahresversammlung des Prüferbundes BPP. Dort wurde unter anderem der Nachwuchsmangel beklagt.
Nun könnte man es sich natürlich leicht machen und dies mit der allgemeinen Tendenz in der Philatelie erklären. Wenn es immer weniger Sammler gibt, verwundert es auch nicht weiter, dass auch auf der Prüferseite der der Nachwuchs ausbleibt.
Dies ist aber nur eine Seite der Medaille. Denn als Gründe für den Nachwuchsmangel wurden nicht zuletzt die oft nicht sehr berauschenden Verdienstmöglicheiten erwähnt, der Inla-Bereich wurde dort besonders herausgehoben. Es fiel sogar der Begriff “Hartz-IV-Niveau”…
Mancher Sammler werden solche Klagen nicht ganz nachvollziehen können, bei dem Geld dass sie im Laufe der Zeit bei Prüfern lassen. Und auf den ersten Blick scheint es sich wirklich um überzogenen Katzenjammer zu handeln.
Wenn man allerdings mal etwas näher hinschaut, wird einem schon verständlich, warum eine Tätigkeit als Briefmarkenprüfer nicht automatisch die Lizenz zum Gelddrucken bedeutet. Den sicher recht ordentlichen Einnahmen eines Prüfers stehen nämlich oft beträchtliche Ausgaben für den Erwerb von Vergleichsmaterial entgegen. Denn daran, dass ein Prüfer auch eine Grundlage haben muss, auf der er seine Tätigkeit aufbauen muss, denken die meisten Sammler vermutlich nicht.
Nun kann ich mir als Sammler und Händler natürlich nicht anmaßen, ein objektives Urteil über die Zustände im Prüferwesen zu fällen. Aber ein wirklicher Knackpunkt scheint mir zu sein, dass jeder Prüfer-Neuling in beträchtlichem Maße das Rad neu erfinden muss, wenn es an den Aufbau der Vergleichssammlung geht. Und dies hat logischerweise ja zu wesentlichen Teilen ja schon vor der Aufnahme der Prüftätigkeit zu erfolgen. Das Fachwissen muss ja schon da sein, bevor man vom BPP die Lizenz zum Stempeln bekommt.
Wenn altgediente Prüfer sterben, wird das von ihnen über Jahrzehnte zusammengetragene Material, das neben dem materiellen oft einen unschätzbaren philatelistischen Wert besitzt, meist über Auktionen und teilweise auch im Direktverkauf in alle Winde zerstreut. Ein Musterbeispiel war vor Jahren die Versteigerung des Peschl-Nachlasses.
Den Erben bleibt es selbstverständlich unbenommen, mit dem Nachlass zu verfahren, wie sie es für richtig halten. Bedauerlich ist es natürlich trotzdem. Und solange das Prüferwesen als loser Bund von Einzelkämpfern organisiert ist, wird sich an dieser Praxis auch so schnell nichts ändern. Kritisch sehe ich dies vor allem in Gebieten, für die es mehrere Prüfer gibt, wie beispielsweise bei Infla Berlin. Hier bleibt den Kollegen dann oft nichts übrig, als sich auf den Auktionen gegenseitig um die interessanten Stücke zu prügeln.
Unter solchen Voraussetzungen ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Prüftätigkeit nicht gerade ein Traumziel vieler Philatelisten ist.
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