Aus gegebenem Anlass greife ich heute ein kontroverses Thema auf. Im Briefmarkencafé kam es gestern zu einem heftigen Meinungsaustausch, der sich an der Diskussion über eine bei eBay angebotene Briefmarkenfälschung entzündet hate.
Was war geschehen? Lars Böttger, der Leiter der BDPh-Fälschungsbekämpfung – auch im “Café” unter dem Namen deckelmouk aktiv – hatte mit einigen Äußerungen den geballten Unmut der übrigen Teilnehmer erregt, weil sie sich dahingehend interpretieren ließen, dass Händler auf Online-Verkaufsplattformen wie eBay, Delcampe etc. grundsätzlich unter dem Verdacht stehen, gefälschte oder verfälschte Ware an den Sammler zu bringen. Doch damit nicht genug, auch die Sammler bekamen ihr Fett weg. Hier die Steine des Anstoßes:
“eBay ist nicht billig oder hat den Briefmarkenmarkt kaputtgemacht. Die Briefmarkenkäufer bei eBay haben nur nicht gemerkt, dass sie überteuert minderwertige, falsch beschrieben oder gefälschte Marken kaufen.”
“Ich hoffe nur, dass der Käufer merkt, dass etwas nicht stimmt. Aber da bin ich mittlerweile illusionslos, 99,9% aller Käufer merken nicht (oder wollen nicht merken), dass sie beschissen wurden.”
“Wenn ich den durchschnittlichen eBay-Händler ansehe, dann muss ich sagen, dass ich nur überleben kann, wenn ich alten Fisch als “Sushi” preise.” [Nachtrag 28.5. , 13:10]
Trotz mehrmaliger Nachfragen hat Lars Böttger diese Aussagen so stehen lassen. In seinen nachfolgenden Diskussionsbeiträgen hat er zwar die Motive für seine Einschätzung erläutert, an der pauschalen Form der Aussagen aber nichts revidiert.
Nun wird ja sicher auch Herrn Böttger klar sein, dass nicht jeder Briefmarkenhändler ein Ganove ist und nicht jeder Sammler ein Schnäppchenjäger mit Scheuklappen vor den Augen, der nach dem bekannten Motto “Gier frißt Hirn” handelt. Aber trotzdem sagt er es so und stößt damit natürlich viele vor den Kopf.
Durch meine persönlichen Kontakte zu Lars Böttger bin ich von seiner Kompetenz und Integrität überzeugt. Daher wirken seine Äußerungen auf mich wie der Frust eines Don Quichotte, der vergeblich gegen Windmühlen ankämpft. Es kommt mir in etwa so vor, als würde ein Polizist oder ein Richter behaupten, unsere Gesellschaft sei durch und durch kriminalisiert, weil sie es tagtäglich mit Gesetzesbrechern zu tun haben.
Dass sich ein Fälschungsbekämpfer bei den zwielichtigen Gesellen unter den Händlern unbeliebt macht, liegt in der Natur der Sache. Aber alleine die Tatsache, dass sich auch rechtschaffene Händler und einfache Sammler durch die besagten Äußerungen verprellt fühlen, zeigt, dass hier weit über das Ziel hinaus geschossen wurde.
Falls die zitierten Passagen die wirkliche Meinung von Lars Böttger darstellen, halte ich dies für sehr bedenklich. Und als Leiter der Fälschungsbekämpung spricht er natürlich auch für den BDPh. Insofern muss man auch zunächst davon ausgehen, dass diese Position der offiziellen Haltung des BDPh in Sachen Fälschungsbekämpfung entspricht.
Aber wer sich selbst zwischen alle Stühle setzt, riskiert eingeklemmt zu werden. Und damit wäre der Philatelie und insbesondere der Fälschungsbekämpfung ein Bärendienst erwiesen.
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Eindringliche Warnungen vor im Internethandel wirklich häufig vertriebenen Briefmarkenfälschungen sind ja an sich nichts Neues, in vielen Briefmarkenforen so oder so ähnlich schon von Lars Böttger und auch anderen immer wieder geäußert. Gewiss lässt sich niemand gern unter Generalverdacht stellen, ein schwarzes (Händler) oder ein dummes (Sammler) Schaf zu sein, aber sowohl seriöse Verkäufer als auch informierte Philatelisten kann diese Schelte nichts anhaben. Die Zielgruppe der Fälschungsbekämpfung und -aufklärung ist eine andere: Da sind zum einen die zumeist als “private Verkäufer” unter ständig wechselnden eBay-Namen firmierenden Bauernfänger, die Betrügereien von Sammlerschaft, Finanzamt usw. als Kavaliersdelikt ansehen. Zum anderen gibt es langjährig tätige, einschlägig bekannte gewerbliche “Spezialisten”, die den Verkauf systematisch mit Fälschungen gespickter “Sammlungen” als lukratives Geschäftsmodell betreiben.
Auf der anderen Seite stehen die nicht wenigen ahnungslosen oder beratungsresistenten “Schnäppchenjäger” unter den Briefmarkenkäufern. Mit inhaltlich ausgewogenen, diplomatisch weichgespülten Internet-Beiträgen über potenzielle Briefmarkenfälschungen mutmaßlich betrügerischer Anbieter erreicht man allerdings (zu) wenig Aufmerksamkeit – man muss den Finger schon in die Wunde legen sowie Ross und Reiter klar benennen. Das sollte im Sinne aller ehrlichen Marktteilnehmer sein – oder ist die Masse vielleicht gar nicht so ehrlich, fair und seriös und schummelt hier oder da auch gern mal? “Gekauft wie besehen” (= keine Reklamation), “Stempel ohne Obligo” (= Stempel falsch), “feinste Luxusgummierung (= entfalzt bzw. nachgummiert) … lassen auch von Hochglanz-Katalogen der Real-Auktionen und Versandhändler grüßen. Übrigens gab es Briefmarkenfälschungen ja lange, lange vor dem Internet-Zeitalter – Betrügereien haben in der Branche also leider Tradition; die Zunft der Prüfer lebt nicht schlecht davon.
Zu Herrn Böttger sollte man vielleicht noch wissen, dass er offizielle Funktionen wie die des BDPh-Bundesstellenleiters Fälschungsbekämpfung und die des Koordinators Fälschungsbekämpfung zwischen BDPh und der Internetplattform eBay wohl ehrenamtlich, aber sicher nicht ganz uneigennützig ausübt. Daneben betätigt er sich bekanntlich als aktiver internationaler Aussteller sowie neuerdings auch noch Juror und hegt überdies ehrgeizige Ambitionen zum BPP-Prüfer für das derzeit unbesetzte Gebiet Luxemburg. Möglicherweise halst er sich in seinem umtriebigen Streben nach einer steilen Verbandskarriere einige philatelistische Baustellen zuviel auf? Die altgedienten “Frühstücksdirektoren” im BDPh freuen sich bestimmt über soviel Engagement des “Nachwuchses”, doch beim verbandsinternen Postenschacher um prestigeträchtige Ämter kommt es vielmehr auf gekonntes Kungeln und Speichellecken der Honoratioren an.