Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

by Oliver Klimek on 26. April 2010

Top?

Und wieder einmal liegt mir ein kleines Ärgernis auf dem Herzen,  das leider tägliches Brot bei Auktionsbesichtigungen ist. Exemplarisch greife ich jetzt einmal das Deutsche Reich heraus, prinzipiell ist es bei anderen Sammelgebieten nicht viel anders.

Mit konstanter Bosheit verfolgen mich Sammlungen, in denen die Germania-Markwerte falsch einsortiert sind. Und ich meine jetzt ausdrücklich nicht die Unterscheidung zwichsen Kriegs- und Friedensdrucken. Denn diese ist – vor allem bei ungebrauchten Marken – nicht so einfach.

oder Flop?

Nein, es geht hier schlicht und einfach um die Ausgaben, die sich auch mit unbewaffnetem Auge eindeutig  am Markenbild unterscheiden lassen. Das Paradebeispiel hiefür ist natürlich die 5 Mark Reichspost (Michel 66). Wie oft ich in Vordruckalben an dieser prominenten Stelle schon die Inschrift Deutsches Reich gelesen habe, vermag ich nicht mehr zu zählen.

Beliebt ist natürlich auch der 2-Mark-Wert mit gotischer Inschrift (Michel 79). Allzuoft finden sich hier die Werte mit lateinischer Inschrift wieder, hin und wieder auch einmal die Reichspost-Ausgabe, die ja bekanntlich wieder eine andere Schriftart besitzt.

Was mag der Grund für diese ständigen Verwechslungen sein? Der alte Spruch von Gier frißt Hirn? Die Eitelkeit vieler älterer Herren, möglichst ohne Lesebrille auszukommen? Vollständiges Fehlen philatelistischen Sachverstandes? Mit Sicherheit kann man es natürlich nicht sagen, bedauerlich ist es aber allemal.

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David Schmidt 27. April 2010 um 00:21

Wer wirklich anstelle teurer Marken nicht passende, billigere Marken in die Sammlung gesteckt hat und warum, ist wohl eine Detektivfrage: In durchweg hochkarätig besetzten Sammlungen wird es wohl kaum der sehschwache oder geizige Sammler gewesen sein, der einst betrogen wurde oder sich selbst betrügen wollte. Vielmehr wissen doch diejenigen, die solche Sammlungen in die Hand bekommen, an welchen Stellen sie nach Trüffeln suchen müssen und bei Fündigwerden unerkannt gegen wertlose Lückenfüller austauschen können.

Gibt’s nicht? Gibt’s doch: Das kann der nette ältere Herr aus dem Sammlerverein sein, der die Erbschaft mal fachmännisch begutachten soll und bei der Gelegenheit in Versuchung gerät; genauso der windige Aufkäufer, der nach eingehender Durchsicht der Sammlung zu dem Schluss kommt, da wäre nichts Werthaltiges (mehr) drin. Sogar bei Auktionsbesichtigungen passiert das, weil die zur Aufsicht eingesetzten Aushilfskräfte gar nicht so genau hinschauen, sondern eher prophylaktisch zugegen sind. Rosinen sind aus Sammlungen fast immer herausgepickt, von wem auch immer. “Komplett belassene Sammlungen” gehören ins Reich der Märchen und Sagen. Gern werden auch ausgeschlachtete Restsammlungen mit minderwertigen oder gefälschten Marken zu neuen “Komplettsammlungen” zusammengebastelt, natürlich angeboten als “jahrzehntelang unberührter Nachlass”. So bleibt der fortwährende Nachschub an Mogelpackungen gesichert.

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