Die abgebildete Marke fand ich in einer eigentlich recht gepflegten kleinen Spezialsammlung der Reichspost-Ausgaben Pfennige bis Krone/Adler. Anhand der vielen geprüften Marken und auch sonst recht gut beschriebenen Besonderheiten wie Farben, Größenunterschiede oder Plattenfehler hätte man eigentlich auf eine gewisse Sachkenntnis des Vorbesitzers schließen können.
Aber hier stand neben der Klemmtasche etwas schüchtern “45 U?”. Natürlich handelt es sich hier um einen popeligen Ganzsachenausschnitt, genauer gesagt um einen Ausschnitt aus dem Streifband S8, das selbst in unversehrtem Zustand keineswegs selten ist.
Und dieses Beispiel ist wahrlich kein Einzelfall. Immer wieder stößt man in Sammlungen auf vermeintlich ungezähnte Marken, die sich in aller Regel als Ganzsachenausschnitte oder beschnittene Originalmarken entpuppen.
Es scheint wohl weniger das fehlende Wissen zu sein als die Sehnsucht, seltene Marken zu besitzen, die viele Sammler dazu veranlaßt, ihr Hirn auszuschalten. Schon ein genauerer Blick aufs Papier macht in unserem Fall ja unmissverständlich klar, dass es sich hier auf keinen Fall um die begehrte Seltenheit handeln kann.
Etwas anders liegen da die Dinge im Infla-Bereich. Hier gibt es eimmer wieder anzutreffende Besonderheit, die einen zuerst an eine teilgezähnte Marke denken läßt.
Aber schon in der Einführung zum Infla-Teil des Spezialkataloges werden diese scheinbar unten ungezähnten Marken erwähnt, bei denen es sich in Wirklichkeit um einen versetzten Kammschlag der Zähnungsmaschine handelt.
Nur wenn der Unterrand größer als 1 cm ist, wird eine solche Marke als uU anerkannt, weil dann mit Sicherheit davon auszugehen ist, dass der letzte Kammschlag bei der Zähnung wikrlich ausgeblieben ist.
Aber obwohl es ausdrücklich im Katalog steht, verschließen auch hier viele Sammler ihre Augen vor der Realität und träumen lieber von den Schätzen und Reichtümern die sie in ihren Alben wähnen.
Und die Moral von der Geschicht: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!
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