Was tun mit Opas Briefmarkensammlung? Teil 2 von 3

by Oliver Klimek on 19. März 2010

Im ersten Teil der Serie ging es darum, wie man sich einen groben Überblick über die Werthaltigkeit einer geerbten Sammlung verschaffen kann. Da der Großteil der Sammlung in dem meisten Fällen dem Heimaltland gewidmet ist, möchte ich hier einige Tips geben, wie man bei den wichtigsten deutschsprachigen Sammelgebieten Anhaltspunkte für bessere Stücke auch ohne Zuhilfenahme eines Briefmarkenkataloges erkennen kann.

Deutschland

Altdeutsche Staaten

Vor 1871 gaben fast alle damals bestehenden deutschen Kleinstaaten eigene Briefmarken heraus, die zum Teil sehr selten und wertvoll sind, wie zum Beispiel der schwarze Einser aus Bayern oder der Sachsen-Dreier. Derartig wertvolle Stücke sind natürlich nicht umsonst sehr selten und deshalb nur in den wenigsten Sammlungen enthalten.

Grundsätzlich gilt hier, je mehr Marken vorhanden sind, desto besser. Allerdings sollte man einige Punkte beachten:

  1. Es gibt sehr viele Fälschungen wertvoller Marken, von plump bis sehr raffiniert. Manche Staaten sind geradezu “verseucht” von Fälschungen und sogenannten Nachdrucken (z.B. Helgoland)
  2. Insbesondere bei Bayern und Württemberg ab ca. 1875 gibt es viele Marken, die nicht besonders wertvoll sind. Hier sollte man sich nicht von gut gefüllten Albenseiten und Dublettenbüchern blenden lassen. Aber auch von anderen Staaten gibt es Marken, die nicht sehr wertvoll sind.
  3. Die Erhaltung der Marken ist gerade bei diesen Gebieten oft nicht besonders gut. Mangelhafte Qualitiät kann auch eigentlich wertvolle Marken fast wertlos machen. Dies gilt im Prinzip natürlich auch für allen anderen Sammelgebiete.

Deutsches Reich

Hier gibt es eine große Bandbreite von billiger Massenware bis teuren Spitzenwerten. Ein paar Tips:

  1. Die allerersten Marken mit Währungsbezeichnung “Groschen” oder “Kreuzer” – auch Brustschilde genannt – sind teilweise recht wertvoll, die roten Werte zu 1 Gr oder 3 Kr sind die billigsten.
  2. Bei den folgenden Ausgaben mit Adlern und Ziffern liegt der Wert oft in besonderen Farbtönen, die meist nur von Experten korrekt bestimmt werden können.
  3. Die Germania-Marken mit der nach links blickenden Dame sind meistens billig, es gibt aber auch sehr seltene Farbvarianten. Die Markwerte im Querformat mit diversen Bildern können je nach Ausgabe etwas mehr wert sein. 5 Mark rot/schwarz mit Inschrift “Reichspost” ist immer wertvoll!
  4. Bei den Marken der Inflationszeit von 1919 bis 1923 gibt es teils sehr seltene gestempelte Marken, es wimmelt aber von Fälschungen. Ungebraucht sind die meisten Marken kaum etwas wert.
  5. Marken aus der Weimarer Republik von 1924 bis 1932 sind sehr unterschiedlich im Wert. Bei den Dauerserien mit Köpfen sind nur die postfrischen (unberührter Gummi) Werte über 20 Pf wertmäßig interessant. Bei Zuschlagsmarken der Nothilfe sind die Werte von 25 und 50 Pf am wertvollsten. Zeppelinmarken sind immer gut, vor allem, wenn sie in der linken oberen Ecke einen zusäzlichen Eindruck haben (auch hier gibt es Fälschungen)
  6. Auch im Dritten Reich ist das Bild unterschiedlich. Blocks haben fast immer einen gewissen Wert. Ffalls sich der große Nothilfe-Block (Format ca. DIN A5) in der Sammlung befindet, vielleicht sogar gestempelt, ist das der Hauptgewinn (er muß allerdings geprüft sein, es gibt viele (Ver)fälschungen!). Bis ca. 1940 sind die meisten ungestempelten Marken recht wertvoll, wenn sie postfrisch sind. Sobald irgendetwas am Gummi klebt, verlieren sie deutlich an Wert.

Besatzungszonen 1945-1948

Hier gibt es eine für den Laien unüberschaubare Menge von Varianten, die teils sehr wertvoll sein können. Die meisten Marken sind allerdings von eher bescheidenem Wert. Immer gut sind Blocks.

Bundesrepublik, Berlin und DDR

Wertvoll sind in allen Gebieten fast nur Marken bis ca. 1955, und auch da nicht unbedingt alle. Aus der neueren Zeit gibt es nur sehr wenige wertvollere Marken.

  1. Der Posthornsatz der Bundesrepublik ist postfrisch teuer, die hohen Wertstufen müssen allerdings geprüft sein.
  2. Bei den Wohlfahrtsmarken der Bundesrepublik bis 1955 (“Helfer der Menschheit”) sind die blauen Werte immer gut.
  3. Marken mit schrägen Aufdruck “BERLIN” in rot oder schwarz können wertvoll sein (vor allem die Mark-Werte), es gibt aber viele Fälschungen.
  4. Gestempelte Sondermarken von Berlin bis 1955 sind meist wertvoll, haben aber auch oft gefälschte Stempel.
  5. Blocks der DDR bis 1956 sind immer besser.
  6. Es gibt in den frühen Jahren der DDR viele gute aber auch viele billige Marken.

Schweiz

  1. Ungezähnte Marken der ersten Jahre haben immer einen gewissen Wert, vor allem die Kantonalmarken vor 1852 können sehr teuer sein, wurden aber auch sehr gerne gefälscht.
  2. Bei den gezähnten Ausgaben der Sitzenden und Stehenden Helvetia gibt es einige wertvolle Stücke. Zur genauen Bestimmung, vor allem bei der Stehenden Helvetia braucht man allerdings Fachkenntnisse. Stehende Helvetia mit auffallend grober Zähnung: Immer gut.
  3. Bei den Freimarken bis zum 2. Weltkrieg gibt es vor allem postfrisch gute Werte, die meisten Marken sind allerdings von bescheidenem Wert. Der PAX-Satz von 1945 ist wertvoll, besonders die hohen Wertstufen.
  4. Fast alle Blocks bis ca 1960 sind etwas wert, teils beträchtlich.
  5. Pro Juventute: Relativ wertvoll bis 1923, später nur nocvh einzelne Jahrgänge
  6. Pro Patria: Blocks und frühe gestempelte Jahrgänge bis in die 50er Jahre
  7. Flugpost: Viele Marken aus den frühen Jahren sind gestempelt einigermaßen wertvoll, ungestempelt aber nur postfrisch.
  8. Portomarken: Bei den ersten Ausgaben mit der Ziffer im Kreis gibt es teils sehr wertvolle Farben und Typen, für den Laien aber nicht immer erkennbar. Blaugrüne und helle gelbgrüne Marken sind immer etwas wert.

Österreich:

  1. Ungezähnte Marken der ersten Ausgabe können je nach Variante sehr wertvoll sein. 1 Kreuzer gelb und 2 Kreuzer schwarz sind immer besser.
  2. Kaiser Franz Josef in verschiedenen Ausgaben bis 1918: Es gibt teure Werte und Varianten, die meisten Marken sind allerdings nicht viel wert, vor allem gestempelte. Hohe Wertstufen sind nicht automatisch wertvoller. Es gibt sehr viele Varianten, die nur Fachleute unterscheiden können. Manche ungebrauchte Marken können durchaus wertvoll sein.
  3. Inflationszeit 1919-1924: Die meisten Marken sind wenig wert, ob ungebraucht oder gestempelt. Besser sind die Komponisten-Bildnisse und Wohlfahrtsausgaben von 1922-1924.
  4. Erste Republik 1925-1938: Von den goßen Dauermarken-Sätzen sind nur die Schilling-Werte nennenswert. Es gibt aber viele Sätze von Sonder- oder Wohlfahrtsmarken, die recht wertvoll sind.
  5. Zweite Republik ab 1945: Die meisten Marken bis 1950 sind wenig wert. Die frühen fünfziger Jahre sind allgemein wertvoller, danach überwiegt die Massenware.

Im dritten Teil der Artikelserie wird es um die konkreten Verkaufsmöglichkeiten für eine Briefmarkensammlung gehen.

Ähnliche Artikel:

  1. Was tun mit Opas Briefmarkensammlung? Teil 1 von 3
  2. Was tun mit Opas Briefmarkensammlung? Teil 3 von 3
  3. Der langsame Tod des Falzes – Michel Spezial 2010

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