Was tun mit Opas Briefmarkensammlung? Teil 1 von 3

by Oliver Klimek on 18. März 2010

Viele Menschen kommen unverhofft in den Besitz einer Briefmarkensammlung, und zwar wenn ein sammelnder Angehöriger gestorben ist. Leider haben die Erben allzu oft keine Lust, die Sammlung weiter zu führen, und so stellt sich dann die Frage, wie man sich am lukrativsten von ihr trennen kann.

Da diese Frage auch immer wieder in den einschlägigen Briefmarkenforen gestellt wird, möchte ich hier in Form einer Artikelserie einige Tips zusammenstellen, welche Möglichkeiten sich zur Einschätzung des Wertes und zum Verkauf bieten, wenn man selbst keine oder nur sehr wenig Ahnung von der Philatelie hat.

1. Der erste Augenschein – was man auch ohne Fachwissen erkennen kann

Zuallererst sollte man sich die die Sammlung in aller Ruhe ansehen. In den meisten Fällen wird sie ja aus mehreren Alben bestehen, hinzu kommen oft noch Kisten und Schachteln mit losen Marken oder Briefen. Es gibt einige Anzeichen, an denen auch der Laie die Güte einer Sammlung grob einschätzen kann, auch ohne in einen Briefmarkenkatalog schauen zu müssen.

Positive Anzeichen

  • Vordruckalben, in denen die Anfangsjahre gut bestückt sind. Bei vielen Sammelgebieten sind die frühen Jahre wertvoller als die späteren, auch wenn es von dieser Regel natürlich Ausnahmen gibt.
  • Marken mit Prüfzeichen oder Prüfbefunden. Wertvolle Marken werden oft zum Briefmarkenprüfer geschickt, um eine Bestätigung zu bekommen, dass sie echt sind oder es sich um eine seltene Variante handelt. Dies ist entweder mit einem Stempel auf der Rückseite der Marke (Name des Prüfers + “BPP”) dokumentiert oder durch Papierzettel mit der Aufschrift “Befund” oder “Attest”, oft mit Abbildung der Marken.
  • Aufzeichnungen über Kaufpreise und Katalogwerte bei älteren Marken und Briefen. auch wenn sich viele Sammler an ihren Dubletten “reich rechnen”, können sich hier Anhaltspunkte ergeben, ob bessere Werte enthalten sind. Wenn im Album bessere Marken mit Katalogwert gekennzeichnet sind, aber nicht vom Experten geprüft sind, kann es sich aber auch um Fehleinschätzungen handeln. Hohe Rechnungen von Briefmarken-Versandhäusern sollten allerdings mit größter Vorsicht betrachtet werden.
  • Möglichst wenige der nachfolgend aufgezählten negativen Anzeichen.

Negative Anzeichen

  • Fast nur Briefmarken nach 1960. Leider haben fast alle Länder ab ca. 1960 Briefmarken in so hoher Auflage gedruckt, dass sie bis auf sehr wenige Ausnahmen nur sehr wenig wert sind. Oft wurden sie für viel Geld im Abonnement bei Händlern oder Postverwaltungen bezogen und können nur für einen kleinen Bruchteil des Einkaufspreises veräußert werden. Ungebrauchte Marken, die noch zur Frankatur gültig sind, können allerdings annähernd zum Postpreis verkauft werden.
  • Motivsammlungen aus dem Abonnement. Teure Ringbinder mit Aufschriften wie “Das klingende Reich der Musik” oder “Olympia 1984″ bringen leider ebenfalls nur einen Bruchteil des Einstandspreises wieder ein. Die Marken selbst sind meist fast wertlos, nur die Alben selbst haben einen gewissen Wiederverkaufswert.
  • Moderne Briefe und Karten mit Sonderstempeln und bunten Abbildungen. Auch diese Belege sind in der Regel fast wertlos, auch wenn “Ersttagsbrief” oder “FDC” darauf steht.
  • Ordner oder Kartons mit Ersttagsblättern. 95% der Briefmarkensammler haben sie gekauft. Deshalb will sie keiner mehr. Preis nach Gewicht.
  • Alben mit bunten Bildermarken aus aller Welt. Auch wenn sie hübsch anzusehen sind, der Verkaufspreis richtet sich nach dem Materialwert der Alben.
  • Kartons und Tüten mit Marken auf Papier. Die sogenannte Kiloware wird, wie der Name schon sagt, nach Kilo-Preisen gehandelt., meist zwischen 10 und 20 Euro pro Kilo.
  • Ungeordnete Alben mit Marken aus vielen Ländern. Auch wenn es ältere Marken sein sollten; die Wahrscheinlichkeit, darin wertvolle Stücke zu entdecken, ist eher gering.

Es fällt auf, dass der Abschnitt über die negativen Anzeichen umfangreicher ist. Auch wenn viele Briefmarkensammlungen  mit großem finanziellem Einsatz zusammengetragen wurden, hält sich der Verkäufswert leider oft in Grenzen, wenn das Geld in Massenware investiert wurde.

Zum Schluss noch 2 wichtige Hinweise im Umgang mit Briefmarken:

  1. Briefmarken immer mit einer Briefmarkenpinzette “anfassen”! Erfahrene Sammler nehmen zwar schon auch mal die Finger zu Hilfe, aber sie wissen, worauf man achten muss.
  2. Höchste Vorsicht vor Vordruckalben der Marke “Lindner Falzlos”! Auch für geübte Pinzettenkünstler kann es sehr schwer sein, eine Marke unfallfrei aus diesen Alben heraus zu operieren. Wenn es nicht auf Anhieb klappt, sollte man die Marke lieber stecken lassen.

Im zweiten Teil der Serie wird es es um eine etwas genaurere Abschätzung der deutschsprachigen Sammelgebiete gehen.

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Was tun mit Opas Briefmarkensammlung? Teil 2 von 3 « Ratgeber « Philablog
19. März 2010 um 16:26
Was tun mit Opas Briefmarkensammlung? Teil 3 von 3 « Ratgeber « Philablog
22. März 2010 um 19:27

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