In dieser kleinen Artikelserie möchte ich einmal drei postgeschichtliche Themen aufgreifen, mit denen offenbar selbst so mancher altgediente Briefmarken-Profi seine Probleme hat, obwohl sie eigentlich zum kleinen Einmaleins der Philatelie gehören. Immer wieder sieht man auf Tauschtagen und Messen Briefekisten, in denen man Belege findet, die einen stutzig machen.
Den Anfang macht der Begriff der Einzel- oder Mehrfachfrankatur. Eigentlich sollte das ja eine glasklare Sache sein, auf Englisch würde man no-brainer dazu sagen. Es steht ja sogar unmissverständlich im Vorwort des Michel-Briefekatalogs, dass die Bewertungen nur für portogerechte Belege gelten. Nun ist der Briefekatalog wahrlich nicht das Nonplusultra für die Bewertung von Belegen, aber für die Begriffsbestimmung reicht er allemal.
Wie oft sieht man überfrankierte Belege, auf denen mit Bleistift EF oder MeF gekritzelt steht und die zu 40% Michel ausgezichnet sind. Gerade bei Belegen des Dritten Reiches scheinen sich derartgie Fehlleistungen zu häufen. Ein braunes Band auf Brief ohne Einschreibezettel ist nun einmal keine Einzelfrankatur sondern nur eine gestempelte Marke auf Briefumschlag! Und auch eine blaue 25er auf einem Inlandsbrief ist eben kein portogerechter Doppelbrief, auch wenn er nur um einen Pfennig überfrankiert ist.
Man mag vielleicht damit argumentieren, dass bei den frühen Bund-Belegen eine Mehrfachfrankatur von 3×7 Pf für einen Standardbrief sogar im Michel toleriert wird. Aber hierbei handelt es sich um den Sonderfall, dass es für 21 Pf keine korrekte Verwendungsmöglichkeit gab und deshalb der leicht überfrankierte Fernbrief der Normalfall ist. Für die 25-Pfennig-Marken im Dritten Reich gab es aber sehr wohl eine korrekte und auch überhaupt nicht exotische Portostufe, und zwar den stinknormalen Auslandsbrief der ersten Gewichtsstufe. Und genauso einfach war es auch durch Stückelung möglich, den Doppelbrief korrekt zu frankieren, bevor es Marken zu 24 Pf gab.
Es erscheint aus heutiger Sicht zwar verwunderlich, dass die Reichspost zwei Portosätze hatte, die nur einen Pfennig auseinander lagen. Aber beide ließen sich problemlos korrekt frankieren, und deshalb ist eine 25er auf einem Inlandsbrief eben keine besonders wertvolle Frankatur.
Unwissenheit, Faulheit oder Abzocke?
Über die Gründe derartiger Fehleinschätzungen kann man natürlich nur spekulieren. Weiss der Händler es einfach nicht besser? Dann sollte er sich aber schleunigst auf den Hosenboden setzen! Hat er einfach nicht in der Portotabelle nach den richtigen Portosätzen geschaut? Auch dann ist Nachsitzen angesagt.
Falls es aber Zweck der Übung gewesen sein sollte, philatelistisch weniger bewanderte Kunden durch Vorgaukelung eines besonderen Wertes übers Ohr zu hauen, sollte der Händler einmal in sich gehen und sich überlegen, ob der Schuss nicht irgendwann nach hinten losgehen könnte. Früher oder später wird sich solch ein Verhalten sicher herumsprechen.
Meiner Einschätzung nach dürften die meisten Fehlauszeichnungen wohl eher aus Nachlässigkeit oder Zeitmangel geschehen. Nichtsdestoweniger erscheint es mir wichtig, darauf hinzuweisen.
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Bei Wertansätzen, sei es zur Auktionslosbeschreibung und Bemessung des Ausrufes, zur Preisauszeichnung von Handelsware oder Tauschmaterial, wird natürlich gern der maximal irgendwo genannte Betrag herangezogen. Anderenfalls müsste wohl ein Großteil von philatelistischen Belegen zum reinen Markenwert der Frankatur abgerechnet werden, und in der Praxis erzielen ja wirklich nur Ausnahmen deutliche Aufschläge als Ganzstück. Im Vergleich mit losen, üblich erhaltenen Einzelmarken – und damit sind solche überfrankierten Sammlerbelege nun einmal zu vergleichen, nicht mit portogerechten Bedarfsstücken – bedingt die in der Regel bessere qualitative Erhaltung aufgeklebter Marken und die Echtheitsbestimmung der Entwertung mehr oder weniger hohe Preiszuschläge, die aber eben nicht viel mit dem Beleg an sich zu tun haben. Zur absoluten Portorichtigkeit ungebräuchlicher Wertstufen sollte man indes die jeweiligen Zeitumstände nicht vernachlässigen: Im Dritten Reich, in den Besatzungszonen nach dem Krieg und auch in der DDR war beispielsweise der Auslandsverkehr mangels persönlicher Verbindungen bzw. der Schwierigkeit, gelaufene Belege sicher wieder zurückzuerhalten, nicht immer möglich. Also behalf man sich mit leicht überfrankierten Inlandssendungen. Zudem darf man gerade bei den genannten Gebieten den erheblichen Kaufkraftüberhang in der Bevölkerung nicht vergessen, der bei Sondermarken, insbesondere mit Wohltätigkeitszuschlägen, oder höheren Dauerserienwerten sprichwörtlich nicht auf den Pfennig achtete. Aus diesem Grund sind wohl auch so viele Belege, häufig mit Sonderstempeln versehen, aus diesen Zeiten überliefert. Diese Masse an Material drückt nun heute zum Verdruß von gewinnsüchtigen Verkäufern den Marktpreis, die alles als möglichst teure EF oder MeF anbieten, während die Käufer eben Überfrankierung, philatelistische Motivation (“Ist ja kein echt gelaufener Bedarfsbeleg!”) oder anderes daran kritisieren, um einen günstigeren Preis zu bekommen.