Beleg der Woche #3: Die verkannte Seltenheit

by Oliver Klimek on 13. März 2010

Der heute gezeigte Brief steht exemplarisch für eine ganze Klasse von Belegen, die – eigentlich zu Unrecht – von den allermeisten Sammlern links liegen gelassen werden.

Berlin Mi 370 MeF, 2. Gewichtsstufe, Einschreiben mit Nachnahme. Portoperiode 1.1.1979 – 30.6.1982

Mehrfachfrankaturen von Dauerserien-Höchstwerten sind nicht allzu häufig, aber trotzdem interessiert sich kaum jemand für solche Stücke. Bei eBay bleiben solche Belege manchmal sogar liegen oder bringen kaum mehr als 1 oder 2 Euro.

Natürlich handelt es sich hier nicht um eine Top-Rarität, die der Titelseite eines Auktionskataloges würdig wäre. Aber auch bei moderneren Marken gilt der alte Lehrsatz: Portogerechte Einzel- und Mehrfachfrankaturen auf Belegen mit Zusatzleistungen sind keine Massenware!

Bis Anfang der Neunziger Jahre läßt sich praktisch die gesamte Palette an postalischen Leistungen mit frankierten Belegen belegen. Wer postgeschichtlich interessiert ist, dem bieten sich hier für geringes Geld schier unendliche Sammelmöglichkeiten.

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David Schmidt 14. März 2010 um 13:21

Im Prinzip bin ich der gleichen Auffassung, würde aber beispielsweise den gezeigten Beleg aus postgeschichtlichen und qualitativen Gründen ablehnen: Abgesehen vom nicht identifizierbaren Poststempel war der 2-DM-Wert der Berliner Dauerserie Heinemann (Erstausgabe 7.1.1971) in der betreffenden Portoperiode nicht mehr zeitgerecht, da bekanntlich längst durch nachfolgende Dauerserien abgelöst. Zudem ist die Abstempelung Berliner Marken in Westdeutschland bei Philatelisten nicht sonderlich beliebt, auch wenn die Marken dort zwar frankaturgültig, aber eben nicht regulär an Postschaltern erhältlich waren. Das mag kleinkariert oder puristisch anmuten, erklärt aber neben dem allgemeinen Abwärtsstrudel moderner Ware die niedrigen Marktpreise bzw. teilweise Unverkäuflichkeit solcher nicht gefragten Bedarfsbelege. Empfehlenswert und in üblicher Briefposten-Massenware gar nicht so leicht zu finden sind seltene Portostufen und Verwendungsformen mit portogerechter Einzel- oder Mehrfachfrankatur, bei denen Marken nicht irgendwann und irgendwo (auf-)gebraucht wurden, sondern möglichst während des Verkaufszeitraums und auf dem Gebiet der sie ausgebenden Postverwaltung.

iceland10 14. März 2010 um 15:25

Hi Oli,

Du hast vom Prinzip völlig Recht, allerdings stimme ich dem Vorredner David voll zu. Portogerechte Mef und diese Zeitgerecht verwendet, das ist das teilweise noch verkannte. Als gutes Beispiel wie es sein sollte hier als Link, kannst du gerne auch im Blog zeigen.

http://666kb.com/i/bhhfh0xteqytinqf6.jpg

Wertbrief von Waltrop nach Germersheim mit 4 x Nr.1027 der 90 Pfennig Wohlfahrtsmarke. Porto Brief bis 20g > 60 Pfennig, Wertangabe bis 500 DM > 300 Pfennig. Die Marke erschien am 11. Oktober 1979 und Verwendung ist vom 23.11.1979

Gruß
Dieter

Oliver Klimek 14. März 2010 um 15:33

OK, der Beleg ist nicht von 1970, aber meines Erachtens immer noch “eingermaßen zeitgerecht”. Ich erninnere mich, dass es die Heinemänner noch ziemlich lange nach Einführung von “Industrie und Technik” am Schalter gab. Aber im Prinzip stimmt das Argument natürlich.

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