Fast genauso oft totgesagt wie das Briefmarkensammeln selbst wurde auch schon der Handel mit Briefmarken bei eBay. Sowohl Händler als auch Verkäufer klagen seit Jahren permanent darüber, dass es praktisch keinen Sinn mehr hat, seine Geschäfte über eBay abzuwickeln.
Verkäufer klagen über hohe Gebühren und schlechte Auffindbarkeit ihrer Angebote, Käufer jammern über zugemüllte Kategorien und schlechte Erfahrungen mit (Ver)fälschungen und Versandkosten-Abzocke.
Mittlerweile bin ich seit fast 11 Jahren gewerblich bei eBay aktiv. Was habe ich in dieser Zeit nicht alles schon erlebt. Mit der Einführung der Angebotsgebühren ging es los. Ein Aufschrei des Entsetzens ging durch die Reihen, Boykottaufrufe machten die Runde. Was ist passiert? Ein paar Händler haben ihren eigenen Online-Shop aufgemacht, der Rest blieb, und immer mehr kamen hinzu.
Im Lauf der Jahre gab es dann immer wieder Veränderungen bei eBay: Drehen an der Gebührenschraube, Änderung des Bewertungssystems, schärfere Kriterien für Gewerbliche, Umstellung der Gebührenstruktur, um nur einige Beispiele zu nennen. Jede Veränderung hatte ähnliche Reaktionen zur Folge. Und was ist passiert? Unterm Strich so gut wie nichts.
Und was macht die Konkurrenz?
Immer wieder wurden Konkurrenzunternehmen aus dem Boden gestampft, um vom Unmut über den Marktführer zu profitieren. BesteAuktion, Hood, Tamundo etc. pp. Ihr stärkstes Argument war die Kostenfreiheit für Verkäufer. Nur musste man schließlich erkennen, dass gerade das auch ein großer Schwachpunkt war. Durch das kostenfreie Einstellen angelockt fanden sich nun auch hier unzählige Schrottangebote und dubiose Anbieter, die von ebay hinauskomplimentiert worden waren. Also kehrten viele wieder diesen Eintagsfliegen den Rücken zu und kamen reumütig zu eBay zurück.
Einzig Delcampe ist es bisher gelungen, sich als ernstzunehmende Alternative zu eBay für Sammler zu etablieren. Aber auch hier hört man zuweilen ähnliche Klagen wie bei den anderen kostenlosen Plattformen. Ricardo in der Schweiz ist ein gewisser Sonderfall, da sich das Unternehmen bis heute erfolgreich gegen eine Übernahme durch eBay wehren konnte.
eBay ist Marktführer aus gutem Grund
Auch wenn ich immer mal wieder mit den Konkurrenten und einem eigenen Online-Shop geliebäugelt habe, bin ich trotzem bei eBay geblieben. Nicht dass ich das Unternehmen hier über den grünen Klee loben möchte - die genannten Kritikpunkte sind nicht einfach nur an den Haaren herbeigezogen. Aber da die Konkurrenz auch nur mit Wasser kocht, und zwar mit sehr dünnem, ist eBay für mich noch immer alternativlos.
1. You get what you pay for
eBay ist nicht billg, aber das System ist bei weitem das ausgereifteste. Zahlreiche Programme setzen auf die eBay-API auf und erlauben es dem Händler, seine Angebote komfortabel zu verwalten. Wenn man nicht nur Gelegenheitsverkäufer ist, ist das ein unschätzbarer Vorteil. Die Arbeit, die man dadurch spart, ist meiner bescheidenen Meinung nach schon einiges an Gebühren wert.
2. Weltweite Ausrichtung
Als einziges Unternehmen erlaubt es mir eBay, meine Ware weltweit anzubieten. Auch für Briefmarken ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Die Regionalisierung der eBay-Ableger erlaubt es auch, länderspezifische Angebote zu erstellen. Ich verkaufe ca. 25% ins Ausland, und beileibe nicht nur in die Schweiz und nach Österreich.
3. Kein Werbeaufwand für den eigenen Shop
Auch wenn man seinen eigenen Web-Shop im Prinzip kostenlos führen kann, der Aufwand für das Werben um Kundschaft ist nicht zu unterschätzen. Dies fällt bei eBay völlig weg, und die eigenen Angebote können sogar über Google gefunden werden.
eBay ist das kleinere Übel
Wie gesagt, eBay ist wahrlich nicht die eierlegende Wollmilchsau, aber im Vergleich zu anderen Handelsmöglichkeiten im Internet sehe ich keine Alternative, die mir ein ähnlich flexibles Geschäft ermöglicht.
Dies ist natürlich nur meine ganz persönliche Einschätzung. Jeder hat nun einmal andere Prioritäten und Vorlieben und wird die Fakten bei reiflicher Überlegung vielleicht auch anders abwägen.
Ähnliche Artikel:

