5 Geheimtips, wie Sie garantiert Ihre Erben enttäuschen werden

by Oliver Klimek on 2. März 2010

Ich kaufe meine Ware oft auf klasischen Briefmarkenauktionen ein. Ein nicht zu unterschätzender Anteil der dort verkauften Großposten stammt aus Nachlässen verstorbener Sammler, deren Erben an der Fortführung der Sammlung kein Interesse haben.

Im Laufe der Jahre bekommt man bei Auktionen so einiges zu sehen. Die Bandbreite reicht da von allerfeinsten Topsammlungen bis hin zu Chaos-Kisten, die man auf- und nach 3 Sekunden schnell wieder zumacht. Die Entscheidung, ob man für ein Los bietet oder nicht, fällt oft innerhalb weniger Minuten, und so ist auch der erste Eindruck, den ein Posten macht, ein wichtiger Faktor für die Kaufentscheidung.

Wenn einem als Sammler schon zu Lebzeiten daran gelegen ist, seinen Erben einen möglichst guten Verkaufserlös in Aussicht zu stellen, sollte man auf einige Dinge acht geben.

1. Die Abofalle

Ja, es gibt sie auch beim Briefmarkensammeln, und zwar nicht zu knapp und völlig legal. Gegen ein Neuheiten-Abonnement für ein modernes Sammelgebiet ist natürlich nichts einzuwenden. Aber wenn man sich dazu verleiten läßt, aus den bunten Prospekten der Postverwaltungen und Briefmarken-Versandhäuser noch andere “Schmankerl” auszuwählen, kann man das schon fast als Geldvernichtungsmaschine betrachten.

Gefährlich sind vor allem Motivsammlungen mit poetischen Namen wie “Das klingende Reich der Musik”, “Fehler auf Briefmarken” oder – ganz verrucht – “Philatelia Erotica”. Mit etwas Glück kann solch eine Sammlung 50 Euro pro Album einbringen, was in etwa den Materialwert des Albums entspricht.

Und dann gibt es da natürlich auch die allseits beliebten Ersttagsblätter und -briefe, die viele Sammler offenbar gleich automatisch “mitmehmen”, von den in großer Vielfalt angebotenen Gedenkbelegen ganz zu schweigen. Im Briefmarkengeschäft werden solche Belege eher nach Kilopreis gehandelt. Mein persönlicher Rekord-Verkaufspreis bei eBay: ein Umzugskarton voll mit ETB – 16 kg für 16 Euro! Ohne Alben.

Das für eine solche Auflockerung der Sammlung nötige Geld ist in einem Sparbuch für die Enkel deutlich besser angelegt. Wer dennoch meint, nicht darauf verzichten zu können, sollte besser die Abo-Rechnungen verschwinden lassen.

2. Chaos

Ich gebe zu, dass ich auch kein Musterknabe in Sachen Ordentlichkeit bin, aber ein Mindestmaß an Ordung sollte – vor allem umfachgreicheren Beständen – schon sein, wenn man einen angemessenen Verkaufserlos erzielen will. Überquellende Klemmbinder, Steckbücher mit Marken aus 30 Ländern, lose Schüttung in Schukartons, verstreute Schnipsel von Kiloware und zerknautschte Briefe sind nicht gerade förderlich für das Bietverhalten potentieller Auktionskäufer.

3. Knochen

Eine Sammlung, in der teure Stücke in Papierkorb-Qualität stecken, wird immer weniger erlösen als die gleiche Sammlung ohne diese Wracks, vor allem weil diese oft auf den ersten Albumseiten zu stecken pflegen.

4. Sparen an Prüfgebühren

Viele Sammler versenken ihr Geld bei Punkt 1 aber identifizieren teure Farben und Zähnungen lieber selbst, als die Marken zum Prüfer zu schicken. Auch für eine Infla-Stempelprüfung fühlen sich viele als qualifiziert genug. Sie stecken dann kleine Zettelchen mit “D 65 – €600″ oder “86 II f – €200″ neben die Marken, damit die Erben später genau wissen, was für Kracher in der Sammlung stecken.

Zugegeben, bei vielen besseren Marken ist eine Prüfung nicht wirklich notwendig. Aber manchnmal ist es eben ein sehr feiner Grat zwischen Gut und Schlecht.

5. Reichrechnen an Dubletten

Ich weiß gar nicht, wie viele Dublettenbücher ich schon durchgeblättert habe, in denen seitenweise die Katalogwerte von Hindenburg-Dauermarken aufaddiert wurden. Da kommen für 16 Seiten oft stolze vierstellige Summen zusammen. Unter Freunden ist so ein Album dann vielleicht einen Zehner oder bei guter Laune auch mal einen Zwanziger wert.

Im Briefmarkenhandel zählen nur Katalogwerte, die mindestens zweistellig sind. Alles andere wird mehr oder weniger mit Null bewertet. Auch wenn einem der Besitz einer möglichst großen Zahl von Briefmarken eine gewisse Befriedigung bereiten sollte, die Substanz einer Sammlung steckt immer nur in den guten Werten. Der Rest ist nur lästiger Ballast.

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