Abart oder nicht Abart? Diese Frage erhitzt schon seit Jahrzehnten die Gemüter der Briefmarkensammler, und sie wird es auch noch weiter tun. Eigentlich ist dazu ja schon alles gesagt. Michel hat sogar einen Abartenführer herausgegeben, in dem peinlich genau aufgelistet wird, was alles eine normgerechte Abart ist und was nur als Druckzufälligkeit betrachtet werden kann, die keinen besonderen Preisaufschlag rechtfertigt.
Ich will hier auch gar nicht um die korrekte Einordnung von Druck-Besonderheiten streiten. Der Definition des Abartenführers stimme ich zu 100% zu. Es geht mir vielmehr darum, dass diese Einordnung im Katalog auch konsequent angewandt wird.
Es wird so lange Verunsicherung über dieses Thema geben, wie Druckzufälligkeiten katalogisiert und bewertet werden. Ein Musterbeispiel hierfür ist der gezeigte Schraubenkopfabdruck auf einer Brustschild-Marke. Er ist im Michel Spezial sogar mit Abbildung erwähnt und verdiene die zwei- bis dreifache Bewertung einer Normalmarke. Es handelt sich aber zweifellos um eine Druckzufälligkeit, die sich “hin und wieder” (Originaltext Michel) auf den Marken findet, weil die Schrauben nicht fest genug angezogen waren. Auch die Formatunterschiede und die rauhe Zähnung sind streng genommen Zufälligkeiten, da sie in der Unzuverlässigkeit der Zähnungsmaschine begründet sind. Trotzdem werden sie bewertet.
Nein, ich meine mitnichten, dass ich diese interesanten und optisch teilweise sehr attraktiven Stücke für nicht sammelwürdig halte. Aber was bringt es denn nun, wenn sich die Michel-Redaktion die Mühe einer genauen Abgrenzung macht, sogar ein eigenes Büchlein dazu auf den Markt bringt, aber dieses Konzept im eigenen Katalog nicht konsequent durchsetzt? Vor einigen Jahren hat man schließlich auch auf die Katalogisierung von Doppelbilddrucken beim Offsetdruck als DD verzichtet, weil es sich um eine Druckzufälligkeit handelt.
Natürlich liegt es daran, dass für derartige Stücke bereits von Beginn an teils sehr ordentliche Beträge gezahlt wurden. Und sicher fürchtet die Redaktion den Aufruhr der Sammler, die die Herausnahme aus dem Katalog als eine Wertvernichtung betrachten würden.
Die Verwirrung wird komplett, wenn man sich einmal bei unseren Nachbarn in der Schweiz umschaut. Hier exisitiert nämlich die Unterscheidung in Abart und Druckzufälligkeit überhaupt nicht! Im Zumstein-Spezialkatalog werden Quetschfalten, Farbkringel, Abklatsche etc. munter drauflos katalogisiert, mit zum Teil vierstelligen Bewertungen, und alles unter dem Stichwort “Abart”.
Da liegt es doch auf der Hand, dass sich die Kataloghersteller einmal zusammensetzten sollten, um sich über diese Problematik zu einigen.
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