In dieser Rubrik möchte ich wöchentlich einen Beleg vorstellen, der irgendeine Besonderheit aufweist. Es muss sich dabei nicht unbedingt um sehr wertvolle Stücke handeln. Auch im Kleinen finden sich oft interessante Dinge.

Den Anfang macht ein Eilbrief, der am 29. November 1923 innerhalb Münchens verschickt wurde, also während der kurzen Periode der Vierfach-Aufwertung. Er ist korrekt frankiert (Porto: 40 Mia. Ortsbrief, 160 Mia. Eilboten = 200 Mia, vierfach aufgewertet 50 Mia.), netterweise mit einer Mischfrankatur zwischen OPD-Aufdruck und normalem Rosettenmuster.
Das Interessante an diesem Brief ist allerdings nicht die Frankatur. Der Nebenstempel “Aus dem Briefkasten” zeigt an, dass der Brief nicht bei der Post aufgegeben wurde. Die Entfernung zwischen dem Absender in der Brienner Str. 8 und dem Empfänger in der Frauenstr. 7 beträgt gerade einmal 1 km Luftlinie. Der Fußweg wäre 1,3 km lang, man könnte ihn also in einer Viertelstunde zurücklegen. Aber trotzdem wurde der Brief frankiert und in den nächstgelegenen Briefkasten geworfen. Auch wenn die Briefkastenleerungen damals deutlich häufiger waren, es wäre fußläufig allemal schneller gegegangen.
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Ein nach Michel-Bewertung erschwingliches Stück. Der Reiz liegt für mich in der postgeschichtlichen Aussage des Beleges, die glücklicherweise vom Markt auch nach 9 Jahrzehnten nicht voll erkannt ist.
Das ist genau der Grund, warum ich diesen Beleg ausgwählt habe. Ein Brief besteht eben nicht nur aus der Frankatur, sondern man muss immer auch das Drumherum betrachten. Diesem Thema werde ich mit Sicherheit noch den einen oder anderen Beitrag widmen.